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Jutta Brückner

Die Liebesgeschichte mit dem Dritten Reich oder Die Frauenphantasien der Herrenrasse

Unter den vielen Sätzen Hitlers, die die Gefolgschaft zwischen ihm und den Deutschen beschworen, sind auch die vom Erntedankfest auf dem Bückeberg 1936:

„Ihr habt einst die Stimme eines Mannes vernommen und sie schlug an eure Herzen, sie hat euch geweckt, und ihr seid dieser Stimme gefolgt. Ihr seid ihr jahrelang nachgegangen, ohne den Träger der Stimme auch nur gesehen zu haben. Das ist das Wunder unserer Zeit, dass ihr mich gefunden habt unter so vielen Millionen. Und dass ich euch gefunden habe, das ist Deutschlands Glück!“

Dieser Satz hat etwas Bedrohliches, aber auch etwas Entlarvendes. Er schildert politische Herrschaft als eine schicksalhafte Liebesgeschichte. Und klarer als hier ist nirgendwo ausgesprochen worden, dass es in dem Verhältnis zwischen Hitler und den Deutschen etwas gab, was über die gewöhnlichen politischen, sozialen und ökonomischen Kategorien weit hinausreichte. Denn es ist unbestritten, dass die beispiellose Mobilisierung so vieler Deutscher, die sich noch bis in die letzten Momente des Krieges, fortsetzte, als alle Vergünstigungen, die sonst mit dem Status der siegreichen Herrenrasse verbunden waren, schon längst unter dem Bombenhagel zerstoben waren, etwas Unerklärliches hatte. Und warum zogen viele es vor, sich lieber das Leben zu nehmen als den Untergang dieses Reichs mitzuerleben oder glaubten noch Jahre nach der Niederlage daran?

Was ist da passiert?

Wenn man sich gefragt hat, was da eigentlich passiert ist, haben einige Autoren bisher Zuflucht genommen zu Psychopathographien Hitlers. Man diagnostizierte bei ihm nacheinander Hysterie, megalomane und paranoide Schizophrenie, Psychose, Borderline bis zur posttraumatischen Belastungsstörung. Oder auch alles zusammen: ein Krankheitsbild von paranoider Schizophrenie, aber auch von antisozialen, sadistischen und narzisstischen Persönlichkeitsstörungen und einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung. In seinen letzten Jahren kam dann noch Parkinson auf der Grundlage einer vermuteten Siphylisinfektion hinzu. Aber andere Forscher kommen mit derselben Akribie und auf der Grundlage derselben Fakten zu dem Schluss, dass Hitler wahrscheinlich überhaupt nicht psychisch gestört war. Doch selbst wenn das Volk von einem Psychopathen reagiert worden wäre, bleibt die Frage, warum so viele Deutsche das mit so viel Begeisterung mitgemacht haben. Die Deutschen – ein Volk von Psychopathen beim Eintopfessen und in Biergärten, im Kino, an Werkbänken und im Büro? Die Frage bleibt offen, wie es nicht nur zur äußeren, sondern auch zu dieser inneren Mobilisierung der Deutschen gekommen war, zu dieser psychischen Dynamik, in der sich dieses System von allen bisherigen Diktaturen unterschied. Sein Totalitarismus bestand darin, sich nicht nur der politischen Vorstellungen der Männer zu bemächtigen, die bis dahin dies einzigen politischen Subjekte gewesen waren, sondern auch der Freiheitshoffnungen der Jugend und der Träume der Frauen. Noch nie war so deutlich geworden wie an diesem Staat, dass jede Gesellschaft nicht nur durch ihre Organisationsformen und ihre Klassenstrukturen bestimmt ist, sondern auch durch die sehr viel schwerer fassbare Geschichte der Libido und ihrer Geschicke.

Als eine der wenigen hat sich die Schweizer Psychoanalytikerin Judith LeSoldat mit diesem für moderne Gesellschaften zentralen Zusammenhang von Politik und Libido beschäftigt.

„In einem Herrschaftssystem tritt die individualpsychische Energie gleichwertig neben die Produktionsmittel Kapital, Arbeit und Boden. Diese vierte Energie ist die heimliche Quelle, welche die Macht ausschöpft, ohne dass die Subjekte es gewahr werden. Herrschaft leitet diese psychischen Energien ab und nutzt sie zur Stützung ihrer Macht. Es ist nicht so, dass die Macht dem Individuum etwas aufdrängt, sich als ein fremdes Interesse in ihm einnistet. Dem Subjekt geht vielmehr ein Stück seines Innenlebens verloren. Es muss nichts Fremdes in sich entdecken, sondern eher ein Leck in seinem emotionalen Geschehen aufspüren.“ Judith LeSoldat

Wenn man auf diese Weise nach dem Dritten Reich fragt, fragt man nach den unbewussten Triebkräften, die an der Wurzel aller politischen Handlungen stehen. Hier gibt es Prozesse, in denen eine unmerkliche Verschiebung der Kräfte stattfindet zwischen individuell Psychischem, kollektiv Gesellschaftlichem und der Politik. An dieser Grenze wird „das Private politisch“. Dieser Satz vom Privaten, das politisch wird, ist berühmt geworden aus der Revolte von ‘68, er stammt aber aus der Zeit des Nationalsozialismus. Und damals bedeutete er nicht, dass das Private politische Sprengkraft besitzt, sondern, dass die Politik sich des Unbewussten bediente, um sich in seinem Träger als dessen eigenes Interesse einzunisten, wie Judith LeSoldat sagt. In den modernen Massengesellschaften wird so das Unbewusste zum politischen Faktor. Wenn es sich mit der Politik kurzschließt und die Macht im politischen Raum ergreift, werden ungeheure Energien frei und führen zu einer explosiven Melange von Begehren und Politik. Sebastian Haffner, der unbestechliche Chronist des Dritten Reichs, hatte schon früh gesagt, die Beziehung Hitlers zu Deutschland müsse auf der Ebene des Unbewussten gesucht werden.

In ähnlicher Weise beschreibt der Psychoanalytiker Slavoj Zizek den Wandel vom traditionell autoritären Machthaber zum totalitären Herrn. Beide erlegen eine strenge Ordnung auf, die dazu anhält, Vergnügungen zu widerstehen und selbst das eigene Leben für irgendein höheres Ziel zu opfern. Aber der totalitäre Herr spricht nicht nur in Befehlen, sondern auch in Verlockungen.

„Sein tatsächlicher Befehl, lesbar zwischen den Zeilen seiner ausdrücklichen Rede, ist ein gegenteiliger – ein Aufruf zur ungezügelten und rückhaltlosen Überschreitung. Der totalitäre Herr ist diejenige Agentur, die die (moralische) Bestrafung aussetzt. Sein Geheimbefehl lautet: „Du darfst!“ – die Verbote, die scheinbar das gesellschaftliche Leben regulieren und ein Minimum an Anstand garantieren, sind mit einem Schlag wertlos. Er sagt verhüllt: Es ist dir erlaubt zu töten, zu vergewaltigen, exzessiv zu genießen, die herkömmlichen Moralvorstellungen zu verletzen – insoweit Du mir folgst. Gehorsam ist somit der Operator, der es dir erlaubt, die alltäglichen moralischen Regeln zu überschreiten und all die obszönen und schmutzigen Dinge zu tun, von denen Du träumst. Du kannst nun in all das eintauchen, ohne bestraft zu werden, genauso wie man die deutsche fettfreie Salami ohne Gesundheitsrisiko essen darf. Das ist ein perverser, pseudobefreiender Effekt.“ Slavoj Zizek

Nirgendwo ist diese Melange von Politik und Begehren so deutlich zu sehen wie bei dem hysterischen Jubel, den Ohnmachten und Tränenausbrüchen der Frauen, wenn Hitler auftauchte.

Wir kennen solche und andere Bilder und irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, dass im allgemeinen Jubel der wirklich enthemmte Teil weiblich war. Sie waren (und sind) peinlich und führen zu Kopfschütteln, einem Unbehagen bis an den Rand des Tabus, und auch Scham. Die Diskussion hat sich längere Zeit darum gedreht, ob sie Mittäterinnen, Mitläuferinnen oder Opfer waren. Die Beziehung zwischen Hitler und den Frauen, war aber viel mehr eine ‚Liebesgeschichte der besonderen Art‘. Auf die Frage, was da eigentlich stattgefunden hat und warum es vor allem die Frauen waren, gibt es bisher keine wirklichen Antworten, denn es gibt keine Gendergeschichte des Dritten Reichs. Nur zu oft hat man sich auf die offiziellen Verlautbarungen konzentriert, in denen der Frau die Rolle als Mutter zugewiesen wird, aber das ist genau so aufschlussreich, als würde man die Geschichte des Dritten Reichs an Hand der Parteiakten schreiben.

Dabei war schon den Zeitgenossen aufgefallen, dass Hitler besonders auf Frauen wirkte. Junge Mädchen warfen sich vor sein Auto in der Hoffnung, dass sie verletzt und dann von ihm gerettet würden. Man weiß, dass jeden Tag Waschkörbe mit der Post von Verehrerinnen in der Reichskanzlei ankamen. Frauen schrieben ihm, als sei er ihr Geliebter, der mal kurz verreist war, teilten ihm mit, dass sie das Gartentor nicht abschließen würden, damit er sie noch spät in der Nacht besuchen könnte, legten vorformulierte Heiratsanträge bei, die er nur noch unterschreiben musste, reisten nach Berlin und konnten nicht glauben, dass er sie nicht empfing.

Eine Frau schrieb: „Tun Sie mit mir, was Sie wollen. Sie können mich auch wieder in ein Irrenhaus einsperren, ist mir egal, wenn ich nicht beim Führer sein kann, bin ich nur ein lebender Leichnam. Sie tun mir aber großes Unrecht, wenn Sie glauben, ich sei verrückt. So wenig wie der Führer seinen Kampf aufgeben wird, freiwillig aufgeben, so wenig werde ich auch meinen Wunsch freiwillig aufgeben. Man kann mich ebenso gut gleich totschlagen, was ich begrüßen würde, denn dann hätte ich ja keinen Wunsch mehr, der mich quält. Dann wäre ich erlöst.“ Und ein Postscriptum: „Wenn Sie wollen, dass ich keine Briefe mehr schreibe, müssen Sie die Sonntage abschaffen.“

Die Schreibmaschinenschrift ist fehlerfrei, die Schreiberin muss eine Büroangestellte gewesen sein, wahrscheinlich alleinlebend, wie viele der berufstätigen Frauen damals. Das war besonders an Sonntagen quälend. Dann begann für alleinlebende Frauen in einer Gesellschaft des heilen Familienglücks die große Depression. Es hat unzählige solcher Briefe und Postkarten gegeben. Hitler hat diese ‚hysterischen Weiber‘, wie er sie nannte, gehasst. Die Gestapo hat einige dieser Frauen in Konzentrationslager und psychiatrische Anstalten einweisen lassen, ihm war wohl unheimlich vor den unbewussten Anteilen seiner eigenen Politik und den Triebkräften, die sie entfesselte bei Frauen jeder sozialen Schicht.

Die Frauen, die in den Zwanziger Jahren das Wahlrecht und einige bürgerliche Freiheiten bekamen, die sich die Haare abschnitten und die Rocksäume kürzten, hatten einen ungeheuren Bruch mit ihrer bekannten Welt zu verarbeiten. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges hatte der Umbau des Weiblichen zu immer neuen Überlegungen geführt, was denn und wie denn die ‚Neue Frau’ sein sollte. Alle bisherigen Werte wurden in Frage gestellt, Frauen konnten jetzt plötzlich alles wünschen und alles werden. Diese neue Freiheit verlangte eine neue Selbständigkeit und die Kraft persönlicher Verantwortung. Daran waren die Frauen nicht gewöhnt. Bisher hatten sie ihr Leben gelebt als Anhängsel des Mannes, geschaffen aus seiner Rippe, eine zweirangige Kreatur, die keinen Anspruch auf ein eigen bestimmtes Leben hatte und ihr kleines Glück nur an der Seite ihres Gatten finden konnte, nach dem Satz: Wo der Mann ist, da ist meine Heimat. Mit der Absage an das Lebensmodell des Liebesopfers im Namen der Familie tauchte die Notwendigkeit auf, ein radikal neues zu schaffen, für das es kein Beispiel gab.

Diese Freiheit machte Angst, besonders da die Gleichheit der Geschlechter längst nicht im Ganzen vollzogen war und es weiter eine Asymmetrie zwischen Männern und Frauen, ungleich verteilte Lebenschancen und viele Kränkungen gab. Das Glück der Emanzipation stand unmittelbar neben den Frösten der Freiheit. Lebenstechniken der Kälte mussten eingeübt werden, denn Trennungen waren zu bewältigen: die Trennung aus der organischen Verfassung des Gemeinschaftslebens und der Übergang in das moderne Maschinenzeitalter, die Trennung von der Obhut göttlicher Fürsorge, denn der Glaube an den allfürsorglichen Gottvater hatte tiefe Risse bekommen und die Trennung vom Modell eines Frauenlebens, das darin bestand aus der symbiotischen Einheit mit der Mutter in die symbiotische Einheit mit den Kindern überzuwechseln.

Nie zuvor war so deutlich geworden wie in jener Zeit, dass jede Form von politischer Herrschaft auch eine Entscheidung über die Geschlechterordnung enthält.

Alle Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts fußten noch auf der patriarchalischen Ordnung, in der das Oberhaupt des Staates über die Nation regierte wie der Vater über die Familie. Das war in Deutschland durch Luthers Reformation noch verschärft worden, denn er hatte die Frau in die Familie gezwungen und den Vater als alleinigen Vertreter der Ordnung etabliert. Deutschland wurde zum Land der autoritären und manchmal grausamen Väter, die Mütter zum Fluchtpunkt einer gleichzeitig ohnmächtigen und überwältigenden Liebe. Für die Kinder und mit ihnen errichteten die Mütter eine warme, heile Welt gegen die Kälte, die oft schon im Konflikt mit den strengen Vätern begann, spätestens aber draußen vor der Tür.

Das, was bei allen Nazis immer aufgefallen ist, das unmittelbare Nebeneinander von Sentimentalität und Brutalität, ist eine deutsche Familienerfahrung. Keine andere protestantische Nation hat ihre Frauen derart auf die Aufgabe zugerichtet, in einer erstickenden Liebe zu den Kindern die männliche Ordnung zu unterlaufen. Die deutsche Trivialliteratur ist voll von einer idealisierten, sentimentalen Mutterliebe, in der die Vorstellung vom Paradies weiterlebt. Dieses Paradies ist ein mütterliches Nest, Väter haben darin keinen Platz. Die „deutsche Mutter“ wurde zum machvoll-ohnmächtigen Mittelpunkt einer Familie, die von zwei Extremen gezeichnet war: einschnürende Liebesabhängigkeit und gewaltsame Distanznahmen der Söhne, die sich aus dieser erdrückenden Enge befreien wollten, um ein eigenes Leben zu führen, jenseits von Liebeswahn, Dankbarkeit und Symbiose. Dazu gehören so berühmte deutsche Muttersöhne wie Luther, Nietzsche, Brecht und Hitler.

Und die Töchter?

Jetzt standen auch sie zum ersten Mal vor der Notwendigkeit einer Distanznahme, wenn sie nicht in der Mutter-Tochter-Symbiose die Leben ihrer Mütter reproduzieren wollten. Die Psychologie nach Freud weiß inzwischen, dass die Abnabelung von der Mutter für die Tochter sehr viel schwerer ist als für den Sohn, weil die Tochter mit der Absage an die Mutter sich partiell von ihrem eigenen Geschlecht abwenden muss. Hin und her gerissen zwischen der neuen Freiheit und der alten Liebesordnung fanden die Frauen sich in einem Zwiespalt von Wünschen wieder. Durch viele Jahrhunderte waren Liebe und Ehe der Sinn eines jeden Frauenlebens gewesen, das konnte die neue frostige Freiheit nicht einfach ersetzen. Frauen mussten nicht nur fertig werden mit einer Welt, die sie erobern konnten und sollten, sondern auch mit ihrer eigenen Ambivalenz.

Aus dem Kampf gegen die Symbiose entsteht diese besondere Gefühlskonstellation. Man hat sie die ‚umgedrehte Revolte‘ genannt und sieht in ihr die faschistische Ursituation. Zwei Hauptelemente müssen in der faschistischen Phantasie immer wieder mit Gewalt zueinander gebracht werden: die Beschleunigung und das alte Glück, die Bewegung und die Regression. Die umgedrehte Revolte des NS war eine Entgrenzung in der Ordnung. Sie formte das doppelte Gesicht des „Dritten Reichs“ zwischen historischen Kulten und technischer Modernisierung. In der Janusköpfigkeit dieser ‚entgrenzenden Ordnung‘ konnten die Frauen ihre eigene Ambivalenz parken. Und die Gemengelage ihrer Gefühle entsprach dabei in vielem der, in der auch der Schöpfer dieses Systems, Hitler, selbst lebte.

Auch der Muttersohn Hitler hatte seine Erfahrung mit den Begierden und Bedürfnissen an dieser historischen Nahtstelle von Progression und Regression. Im soziologischen Sinn war er wie die Frauen ein ‚Aufsteiger‘. Frauen hatten durch Jahrhunderte in der Familie keinen rechtlichen Stand gehabt und waren im Staat kein politisches Subjekt gewesen, im Sinne der Elitentheorie kamen sie vom Rand der Gesellschaft. Auch er kam vom Rand der Gesellschaft, aus dem Wiener Männerasyl, und sein ‚Ahnengau‘, das österreichische Waldviertel, war einer der am stärksten zurückgebliebenen Landstriche Europas. Er versprach sich selbst als Fleisch gewordene Omnipotenzphantasie für die Ängste der Frauen. Sein gebrülltes Kraftmeiertum und seine steil aufgereckten Posen, die ihn zu einer Karikatur eines Phallus machten, durchbrachen die Bewusstseinsperre und wirkten als Droge gegen Angst und Verzagtheit. Auf der Ebene der Trieb- und Wunschkonstellationen ballten sich in der Person Hitlers die Klassenschicksale des deutschen Kleinbürgertums und darüber hinaus besonders die Triebschicksale der Frauen. Nationen, in denen solche Prozesse massenhaft gelebt werden, sind anfällig für perverse Massendynamiken.

Jenseits der politischen Botschaften im engeren Sinn erreichte Hitler so die Tabuzonen des Unbewussten, die bisher für die politische Macht noch nicht erschlossen worden waren. Er übertrug die psychologische Dynamik der Familie auf die Politik und schuf zwischen sich und der weiblichen Masse eine Liebessymbiose, das war tröstlich für alle, die verunsichert waren und sich verlassen fühlten. In der Familie bedeuten Sätze immer weniger oder mehr als das, was ausgesprochen wird: „Du weißt schon, was ich meine…“ Botschaften in der Familie sind ‚Stille Post‘. So konnte man auch bei Hitler immer glauben, die ausgesprochenen Ungeheuerlichkeiten seien nicht wirklich und die nicht ausgesprochenen seien wirklich von ihm gemeint. Auf diese Weise wurde das Private politisch und der familiäre double-bind hielt Einzug in die Politik. Thomas Mann, der aus eigener bedrohter Sensiblität vieles sehr klar gesehen hat, hat den Satz vom „Bruder Hitler“ geprägt. Damit hat er zwar etwas anderes gemeint, aber auch den Raum benannt, in dem eine solche symbiotische Verbindung angesiedelt ist: die Familie.

Der perverse deutsche Familienroman

In diesem intim/öffentlichen Raum des Staates als Familie kommunizierte Hitler mit den Frauenphantasien der Herrenrasse. Das muss man verstehen in seiner doppelten Bedeutung: mit den „Phantasien der Frauen“ und den „Phantasien über die Frauen“. Es gibt in diesem politischen Familienroman alles, was es in den wirklichen Familien gibt: Sex und Inzestwünsche, Symbiose und Gewalt. An seiner Spitze stehen Hitler, der unfruchtbare Vater, und Magda Goebbels, die Mutter, die ihre 6 Kinder tötet. In ihm herrscht innen die erstickende Wärme der Eintopfsonntage und NS-Kulte, denn die Gewalt wird nach außen abgeleitet auf die slawischen Untermenschen oder die Juden. Innen muss alles warm und rein bleiben. ‚Reinheit‘ spielte in der nationalsozialistischen Phantasie eine zentrale Rolle. Sie sollte nicht nur die Vernichtung der Juden rechtfertigen, sondern auch die Vernichtung des ‚Juden in uns selbst‘, wie Himmler gesagt hat. Reinheit war über Jahrhunderte das zentrale Gebot des weiblichen Moralkodex. Frauen mussten ‚rein bleiben‘, um ihre reproduktive Weiblichkeit zu bewahren und damit sich selbst auf dem Heiratsmarkt nicht zu entwerten. Und über lange Zeit war das die einzige Anforderung an sie gewesen.

Dieses Ineinander von Progression und Regression führte zu neuen politischen Symbolisierungen und Darstellungsformen. Symbolisch gesehen war der ‚Körper der Macht‘ in den Jahrhunderten der monarchischen Regierungsformen ein männlicher gewesen, er stand an der Spitze einer Pyramide, in der sich die traditionelle Ordnung als Hierarchie verkörperte, an seiner Spitze stand der König als Stellvertreter Gottes. Aber in den Demokratien des 20. Jahrhunderts war das Staatsvolk zur Masse geworden, die amorph und unstrukturiert die traditionelle Ordnung überschwemmte und auflöste in der proklamierten Gleichheit der sozialen Gruppen und Geschlechter. Und diese Bewegung hatte noch einmal einen Schub bekommen, seit auch die Frauen das Wahlrecht bekamen.

Was bedeutete das für den ‚Körper der Macht‘?

In der europäischen Geschichte hatte der König immer zwei Körper: einen realen und einen mythischen. Der reale konnte sterben, der mythische war unsterblich. Das hat in Frankreich dazu geführt, dass der König neben seiner offiziellen Mätresse sehr oft auch ein Mädchen aus dem Volk zur weiteren Mätresse nahm als Bekräftigung des Bandes zwischen Herrscher und Untertanen. Hitler war der erste Politiker, der begriffen hatte, dass auch der moderne Politiker ein Wunschbild für die Masse ist, und das war es auch, was ihn fundamental von den anderen Staatsmännern seiner Zeit abhob. Deshalb blieb er unverheiratet, denn er wollte, dass sich jede Frau an die leere Stelle an seiner Seite träumen konnte. „Wenn ich die Frauen gewinnen will, dann muss ich ihnen ein Liebesobjekt bieten.“ Das Vakuum an seiner Seite erzeugte und band erotische Phantasien. Diese Botschaft der Stillen Post hatten die ‚hysterischen Frauen‘ verstanden, die ihn umjubelten. Und: sie hatten sie wörtlich genommen.

In den unkontrollierten Gefühlsstürmen lebten sie eine Liebesgeschichte mit dem mythischen Körper der Macht.

Der Geheimdienst des US-Kriegsministeriums hatte während des Zweiten Weltkrieges Informationen über die Persönlichkeit Hitlers gesammelt und 1943 ein Forscherteam beauftragt, psychologische Berichte zu erarbeiten, um hinter das Geheimnis der emotionalen Mobilisierung der Deutschen zu kommen. Im Bericht war von seiner infantil-narzisstischen Neurose die Rede. Damit war gemeint, dass der Führer aller Deutschen in einer Entwicklungsstufe der frühkindlichen Omnipotenzphantasien steckengeblieben war, vor dem Realitätsschock, mit dem jedes Kind in seiner Entwicklung konfrontiert wird. Aber mit diesen individualpsychologischen Erklärungen kam man nicht viel weiter. Denn dass im Nationalsozialismus ein anderes Geheimnis lag, das um die Pole von Politik, Gewalt und Sex kreiste, war schon früh spürbar gewesen. René Schickele hatte gesagt, Hitlers Reden seien Lustmorde gewesen und die englischen Soldaten sangen ein Spottlied, dass Hitler nur einen Hoden habe.

Etwas an diesem Mann blieb unsicher, konnte nicht wirklich geklärt werden, ein umrätselter Rest wirkte im Unbewussten weiter. So etwas fasziniert. Faszination ist Ausdruck von Ambivalenz. Es kann nicht wirklich geklärt werden, ob das Objekt Bewunderung oder Abscheu erregt, man muss immer wieder hinsehen. Faszination ist ein Band, das bindet. Der Kern von Hitlers Faszination war diese Gemengelage von Begehren und Politik und darin die Gleichzeitigkeit von Liebe und Angst.

Schon früh ist er von ausländischen Beobachtern die „deutsche Sphinx“ genannt worden. Dabei war man sich wohl nicht immer im Klaren, dass die (der) Sphinx sowohl weiblich wie männlich ist. Kritische Zeitgenossen hatten gesehen, dass in seinen übertrieben männlichen und brutalen Posen eine bestimmte Weichheit und Fahrigkeit war. Das sahen auch die, die nicht wussten, dass er sich diese Posen im Schauspielunterricht erarbeitet hatte. Hier zeigte jemand das Männliche als Performance, weil er unsicher war, ob er es selbst wirklich verkörperte, hier war eine Maskerade, die eine Geschlechtsambivalenz verriet.

Dieser Mann, der keine Frau an seiner Seite hatte, brauchte auch keine, weil er beide Geschlechter in sich vereinte.

Die ‚Stille Post‘ in seinen männlichen Posen war die nach den Kriterien der damaligen Zeit unausgereifte Männlichkeit, die Unsicherheit einer klaren Geschlechtsidentität. Und diese Botschaft traf die unbewusste Frage der Frauen, wie viel ‚Männlichkeit‘ und wie viel ‚Weiblichkeit‘ die Gesellschaft von ihnen forderte. Hitlers oft beschriebene krankhafte Unfähigkeit zur Fremdwahrnehmung ging einher mit einem instinktiven Gespür dafür, was von ihm verlangt und ersehnt und gefordert wurde. Das verriet die dünne Haut und der übergroße Sensibilität des Muttersohns. Und auch da traf er auf die Gefühlsbrisanz der Frauen, die nicht immer genau wussten, was von ihnen erwartet wurde in ihrem Verlangen nach Modernität, denn die versprach Freiheit, gehorchte aber männlichen Regeln des Gesellschaftslebens in der Arbeit, dem Sport und der Politik. Sie mussten sich Formen der einer Männlichkeit erobern, die für den Aufbruch in die Gesellschaft unabdingbar waren.

Hitlers Bild in seiner geschlechtlichen Ambivalenz ermöglichte den Frauen eine Liebesgeschichte, die genau so viel mit dem Weiblichen wie mit dem Männlichen zu tun hatte. Die Präsentationsformen seiner Politik waren modern, brutal und herrisch. Aber seine spürbare Weichheit und seine Betonung der ewigen Liebe zur toten Mutter rührten an die traditionelle Bindung der Frauen. Goebbels, selbst ein Muttersohn, traf einen Nerv, wenn er sagte: „Das deutsche Volk fühlt sich in den Armen des Führers so sicher wie ein Kind in den Armen der Mutter.“

Dieser Mann, der keine Frau an seiner Seite hatte, reservierte den leeren Platz für die Mutter.

Für Hitler war die Masse weiblich und er die Kristallisation ihrer Wünsche, deshalb gilt vieles von dem hier für die Frauen Gesagten, auch für Männer. Dieser weiblichen Masse versprach er die Möglichkeit, Liebe und Politik, Opfer und Anerkennung, Freiheit und Wärme zusammenzubringen. Er versprach den Müttern, ihr Familienopfer jetzt mit Staatsehren zu würdigen, allein durch pausenloses Gebären wurden sie zu staatstragenden Heldinnen, die Soldaten mussten vor den Mutterkreuzträgerinnen salutieren. Allen, die weg wollten aus der Symbiose mit der Mutter, versprach er die Freiheit und fing sie auf in der weniger engen, machtvollen Gemeinschaft der Organisationen, mit denen er die Welt erobern und beherrschen wollte. Er versprach allen eine imaginäre Größe über erotische Teilhabe an der Macht ohne eigene Verantwortung. In der hysterischen Liebe zum Führer, in ihren Tränen und Ohnmachten, in ihren Marschkolonnen und Ernteeinsätzen konnten die deutschen Frauen gehorsames und revolutionäres Verhalten gleichzeitig leben und so scheinbar alle widersprüchlichen Wünsche miteinander vereinbaren.

Politik wurde existentiell-körperlich erlebbar, das Unbewusste hatte die Macht im politischen Raum ergriffen, Hysterie wurde zur politischen Ausdrucksform. Eine bisher private, wenn auch massenhaft gelebte Triebkonstellation wurde öffentlich. Hitler sagte in kleinem Kreis: „Hass und Hysterie lenken die Geschicke der Menschheit.“ Hysterie galt damals noch als Frauenkrankheit.

Es war diese ganz besondere Sexualisierung der Macht, die den Nationalsozialismus für lange Zeit unschlagbar machte. Sie war ein Geflecht aus gegenseitigen Wünschen von Führer und weiblicher Masse und verwandelte Politik in ein Phantasma, das unabhängig blieb von realen Erfahrungen. Wenn das Liebesobjekt fern ist, dann wird die unendliche Hingabe möglich ohne die Gefahr der Liebesverschmelzung und je weniger es definiert ist, desto wirksamer ist es, weil es sich für alle Projektionen eignet. Die faszinierende Figur muss offen sein und ihr Geheimnis wahren. Etwas Ähnliches erleben wir bei Stars. Der Politstar Hitler hat sich wie jeder Star über seine sexuelle Aura identifiziert, gleichzeitig ganz nah und ganz fern, vertraut und entrückt. Es konnte sich jede an seine Seite phantasieren, im Wirklichkeitsverlust wurde alles wurde möglich, denkbar und erlebbar.

Dieser Mann, der keine Frau an seiner Seite hatte, hatte auch keinen realen Penis. Er war Phallus und mit dem konnte man sich vereinigen, ohne Folgen.

Man darf nicht vergessen, dass jede Sexualität in den Zeiten vor der Pille noch dramatische Konsequenzen hatte: ein nicht gewolltes Kind. Auch wenn die uneheliche Mutter nicht mehr staatlich geächtet war, sondern als Gebärende den Schutz des Regimes genoss, gesellschaftliche Ächtung gab es noch massenhaft. Und Erfahrungen, die durch Jahrhunderte die Leben von Frauen geprägt hatten, waren nicht in wenigen Jahren abzuschütteln.

Die autonome Frau und die Brüderhorde

Hitler war an die Macht gekommen als Anführer einer kriminellen Brüderhorde. Das war seine Modernität gewesen und hob ihn ab von anderen Staatsmännern, die in die Eliten hineingeboren waren. Sein Gestus war revolutionär, unabhängig davon, was seine Reden versprachen, seine Präsentationsformen modern, auch da, wo sie auf kultische Elemente zurückgriffen und die nationalsozialistischen Frauenbilder waren nicht einfach die Wiederholung des bürgerlichen „Kinder, Küche, Kirche“. Gerade die jüngeren Frauen hätte man damit nicht in die Arme der NS-Organisationen locken können.

In der Frauenliteratur des NS, die auch meist von Frauen geschrieben wurde, gibt es Bilder autonomer Frauen. Es sind amazonenhafte Charaktere, auch körperlich stark, die ihre Autonomie oft bis zu einem Punkt entwickeln, wo sie auch materiell von einem Mann unabhängig sind. Ihr sozialer Status ist oft der einer Herrin über Grundbesitz oder ein eigenes Unternehmen. Männer sind meist abwesend, mit Härte lebt die Frau ihr Leben und erzieht ihre Kinder allein zur Tapferkeit im Lebenskampf, auch und gerade die Töchter. In dieses Bild der autonomen Frau, die nicht vom Mann abhängig und nicht auf ihn fixiert ist, waren die seit Beginn des Jahrhunderts entstandenen Emanzipationsvorstellungen eingegangen. Im Jargon unserer Zeit würde man sie ‚starke Frauen‘ nennen, sie scheinen dem Mann überlegen zu sein, weil sie ihn in ihrem Leben nicht mehr brauchen.

Diesen Frauen sind unkontrollierte Gefühlsaufwallungen und alle Züge von Weichheit und Koketterie fremd. Sie wollen dem männlichen Helden ebenbürtig sein und übernehmen seine Werte: Kühnheit, Tapferkeit, Ehre und Pflicht. Lou Andreas-Salomé hat diesem Frauenbild ein Denkmal gesetzt. In ihrem Buch über die Erotik hat sie eine Weiblichkeit geschildert, die „selbstbewusst, edelsteinhart, die Manneshärte überbietend, nicht mehr, wie von der orthodoxen Psychoanalyse dekretiert, durch Kastration und Penisneid behindert ist.“ Das Opfer wird von ihr gefeiert und heroisch bejaht, aber es ist nicht mehr das Familienopfer der bürgerlichen Frau, dieses „leidende Heldentum der geschichtslosen Frau“. Es wird überwunden zugunsten des „heroisch tätigen Heldentums“ des Mannes, das jetzt auch den Frauen zusteht. Diesen Frauen ist der Krieg nicht fremd. Auf dem Hintergrund einer biologischen Vorstellung des Kampfes aller gegen alle sind sie kriegerisch und erziehen ihre Söhne und ihre Töchter für das Heldentum. Den Abklatsch solcher Vorstellungen konnte man dann in den Todesanzeigen lesen, wenn solche Heldenmütter „in stolzer Trauer“ bekannt gaben, dass ihre Söhne an der Front gefallen waren.

Diese autonomen Frauen in der Literatur sind fast immer Mütter ohne Männer. Weil die autonome Heldenmutter mit dem heroischen Mann identifiziert ist, kann sie keine dauernde Beziehung zu einem ebenbürtigen Mann haben, denn das würde bedeuten, dass sie sich unterordnen muss. Nach kurzem Beisammensein zieht der Mann in den Krieg und dort stirbt er. Sexualität beschränkt sich deshalb oft auf den Moment der Zeugung und das Kind ist das Eigentliche, was der Frau vom Mann bleibt und auch das Einzige, was sie von ihm gewollt hat. Die Kinder und vor allem die Söhne waren das eigentliche Liebesobjekt der Frauen, denn eine dauernde Vereinigung zwischen dem asketischen Helden und der heroischen Frau ist nicht möglich, beide sind unabhängige, einander fremde Wesen. Erst und nur im Kind besitzt die Frau den Mann. Sie bleibt, wenn die Männer verschwinden. Es scheint, als hätten sich die Rollen verkehrt: der Mann wird Sexualobjekt, der seinen erbgesunden Samen abliefert, um der Frau die weibliche Urerfahrung der Mutterschaft zu ermöglichen. Dieses literarische Frauenbild ist asexuell und grundiert von einer ahistorischen, zyklischen Geschichtsauffassung. Und nur so konnten die Frauen ihre Autonomie leben.

Diese literarischen Frauen sind für viele Frauen ein Vorbild gewesen und gerade die Frauen, die im NS Momente eine Revolution sahen, hatten gehofft, mit diesem Rollenmodell einer selbstbewussten Weiblichkeit nationalsozialistische Vorstellungen auch in der Familie leben zu können. Aber die Klagen der NS-Frauenschaft, dass die rassereinen Männer nicht die herbe, kraftvolle deutsche, sondern die verspielte, kokette französische Frau bevorzugen würden, waren Legion. Auch in der SS, wo ‚rassereine Ehen‘ vorgeschrieben waren und von Himmler selbst genehmigt werden mussten, gab es massenhaft Verstimmungen, weil Paare, die nicht der reinen Lehre entsprachen, immer wieder raffinierte Lösungen inszenierten, um doch noch die Heiratserlaubnis zu bekommen. Alle Frauen, die die Bewegung in ihrer frühen Phase unterstützt hatten, weil sie glaubten, in ihr sei Platz für ihre Wünsche nach Autonomie, fühlten sich im Dritten Reich degradiert. In Nazi-Broschüren findet sich für die Sprache von Frauen auch immer wieder das lobend gemeinte Wort ‚plappern‘, das in Wirklichkeit den schärfsten Grad an Verachtung ausdrückt. Plappern ist das, was Kinder tun, wenn sie gefallen wollen.

Als es zwischen Hitler und Magda Goebbels einmal eine sehr kühle Phase gab, als er über die Frauen allgemein abfällig gesprochen hatte, erinnerte Magda ihn daran, dass er ihnen den Wahlsieg zu verdanken habe. Seine Antwort war, die ‚Unbedarfheit‘ einer Eva Braun zu loben mit dem Hinweis, mit den intellektuellen Frauen gebe es nur Probleme, wie man an Magda sehen könne. Es gab einen tiefen Widerspruch nicht nur zwischen Leben und Propaganda, sondern auch in der Propaganda und den Überzeugungen selbst.

Im bekanntesten Buch der von Nazis geschätzten Ina Seidl Das Wunschkind teilt ein Mann die Frauen in drei Kategorien ein: Priesterinnen, Mütter und Schauspielerinnen. Selbstverständlich wird die Schauspielerin gering geachtet. Aber die Ehefrauen, Geliebten und Maitressen der Nazi-Prominenz waren fast alle Schauspielerinnen. Emmy Göring war Schauspielerin. Der Erotomane Goebbels, ‚Bock von Babelsberg‘ genannt, hatte so viele Affären mit Schauspielerinnen, dass es seinem Adjutanten leichter fiel, eine Liste derer zu machen, die keine Affäre mit dem Herrn Minister gehabt hatten. Er hatte leichtes Spiel, weil sie von ihm abhängig waren. Für die jeweilige Favoritin stand immer ein Flugzeug bereit, wie Marianne Hoppe erzählt hat. Magdas Ehe zerbrach fast, als Goebbels die Filmschauspielerin Lida Baarova als ‚zweite Frau‘ installieren wollte. Auch Eva Braun, Hitlers Maitresse, sah sich als Filmstar im Wartestand. Ihr Jugendwunsch war es gewesen, Schauspielerin zu werden und ihre Starbegeisterung war grenzenlos. Sie hatte ganze Jahrgänge von Filmzeitschriften. Sie hatte die neueste technische Ausrüstung zum Filmen und Fotografieren, die gerade entwickelte 8mmKamera und das ganz neue Farbfilmmaterial. Mit ihm hat sie Filme über sich selbst und den Berghof gedreht, darauf wartend, dass endlich die große Hollywood-Produktion über ihre und Hitlers Liebesgeschichte realisiert würde.

Die Maitresse: Eva Braun

In der Masse der Frauen, die Hitler auf den Straßen zujubelten, stand viele Jahre eine Frau, die schon seine Geliebte war, und doch lange Zeit nicht wirklich an ihn herankam: Eva Braun.

Eva Braun, die einen Tag vor ihrem Tod noch Eva Hitler wurde, hatte Hitler kennengelernt als Lehrling im Fotogeschäft von Heinrich Hoffmann, der Hitlers Leibfotograf war, sie half im Verkauf und im Labor. Ein Herr mit Trenchcoat, Schlapphut und Peitsche wird ihr 1929 vorgestellt als ‚Herr Wolf‘. Hitler ist in der politischen Welt des In- und Auslandes bekannt, aber die unpolitische Eva, zu deren Aufgabenbereich der Verkauf von Hitlers Postkarten gehörte, auf die Hoffmann ein Monopol hatte, erkennt ihn nicht. Zu Hause erzählt sie, sie habe einen Herrn „in einem gewissen Alter“ kennengelernt, der ihr angeboten hatte, sie in seinem Mercedes nach Hause zu fahren. Sie habe abgelehnt, denn was würde ihr Vater dazu sagen! Hitler war 40, Eva war 17.

Sie lebte wie viele andere junge Frauen zu dieser Zeit: sie arbeitete, sie trieb viel Sport, sie rauchte, sie tanzte gern, sie schwärmte für Filmstars und ihr Ehrgeiz war, Filmschauspielerin zu werden. Sie ließ Bewerbungsphotos in den entsprechenden Posen von sich machen. Aber Evas Vorstellungen von einer Liebesgeschichte und dem Leben, das sie führen wollte, gehorchte vollkommen den Gesetzen der alten, patriarchalischen Ordnung: die Ehe verschafft der Frau den Status.

Immer wenn Herr Wolf wieder einmal kommt, fragt er nach Eva und inzwischen weiß sie, wer er ist. Ende 1930 ging er öfter mit ihr aus, nahm sie auch zum Picknick mit. Eva verhielt sich ungeniert wie ein Teenager, der einen Star anhimmelt. Dann sah sie ihn seltener, bis sie in der Zeitung eine Nachricht las: am 18. September 1931 war eine 23 Jahre alte Privatstudierende in Hitlers Wohnung in Bogenhausen erschossen aufgefunden worden. Es war Geli Raubal, die Nichte von Adolf Hitler, bei dem sie lebte. Und ihre Beziehung zu ihm war mindestens von ebenso vielen Gerüchten umgeben wie ihr Tod. Hitler hatte eine beginnende Liebesgeschichte zwischen Geli und seinem Chauffeur Maurice brutal unterbunden, Maurice fristlos entlassen und Geli zu seiner ständigen Begleiterin gemacht, auch dort, wo bisher Frauen nicht zugelassen waren, bei den Stammtischen der NSDAP. Goebbels Tagebücher führen sie fast immer auf, wenn er mit Hitler zusammen ist. Hitler begleitete sie sogar auf ihren Einkäufen. Geli hatte sich ihrem Onkel für Aktstudien zur Verfügung gestellt, Hitler hat diese datiert und signiert, sie gleichen denen, die er später von Eva Braun gemacht hat. Und in der Partei blühte der Klatsch.

Die sozialdemokratische Zeitung Münchner Post, die seit vielen Jahren immer wieder Verbrechen der Nazis aufgedeckt hatte und über ausgezeichnete Verbindungen verfügte, schrieb, dass es einen heftigen Streit zwischen Hitler und seiner Nichte gegeben habe. Hitler habe die Wohnung im Streit verlassen. Geli sei gefunden worden mit Hitlers Pistole in der Hand, einem gebrochenen Nasenbein und anderen schweren Verletzungen. Parteifreunde Hitlers hätten nach Auffindung der Leiche konferiert, was über das Motiv der Tat publiziert werden solle und hätten beschlossen, das als Folge frustrierter künstlerischer Hoffnungen hinzustellen.

Die Gerüchte brodelten: Geli sei schwanger gewesen entweder von Hitler oder einem anderen und entweder Hitler selbst oder die SS habe so eine Situation bereinigt, die dem Politiker gefährlich werden konnte.

Gelis mysteriöser und nie aufgeklärter Tod wurde zum Fundament des Mythos, Hitler sei von nun an nur mit Deutschland verheiratet, weil die einzige Frau, die er geliebt habe, nun tot sei. Das befreite ihn erst einmal von lästigen Fragen nach seinem Junggesellen-Status, die es bis dahin immer wieder gegeben hatte. Die tote Geli an Hitlers Seite blockiert dort jedes andere Leben, macht ihn gleichzeitig einsam und komplett, unerreichbar und menschlich. Der Politiker, der bisher immer nur im Zusammenhang mit Gewalt und Straßenterror auftauchte, ist jetzt der gebrochene Held eines Melodramas. Und das war die Form, in der in den populären Heftchen Liebesgeschichten erzählt wurden. Eva begreift instinktiv, dass der Weg zum Herzen des Herrn Wolf nur darüber führen kann, sich an Gelis Stelle zu schleichen und sie beginnt damit, sich ihr in Frisur und Kleidung ähnlich zu machen.

Spätestens im Frühjahr 1932 wird sie seine Geliebte. Das muss sie verheimlichen, denn sie wohnt noch bei ihren Eltern und ihr autoritärer Vater würde eine solche Liederlichkeit nie zulassen. In ihrem Zimmer, das sie mit ihren beiden Schwestern teilte, konnte sie nur unter der Bettdecke mit Hitler sprechen, wenn er mal anrief. In den Jahren zwischen 1935 bis 1938 besteht ihr Leben aus Warten auf seinen Anruf. Dabei wird sie hin und her geschüttelt zwischen dem pubertären Stolz, dass sie nun die Geliebte des wichtigsten Mannes in Deutschland ist und der Eifersucht, weil sie weiß, dass er auch ständig mit anderen Frauen zusammen ist. Eva steht in einer Menge und sieht Hitler von ferne, wartet vor seinem Hotel und sieht ihn in Damenbegleitung. Dann fährt sie nach Hause, schreibt in ihr Tagebuch und wartet auf seinen Anruf. In ihren Tagebüchern grübelt sie, dass sie offensichtlich für ihn nur ein sexuelles Verhältnis sei und fragt, wann er denn wieder Zeit für dieses sexuelle Verhältnis finde. Sie weiß ja, dass er „sehr viel um die Ohren gehabt hatte mit dem Röhm-Putsch und Italien“, aber jetzt müsse doch mal wieder Zeit für Entspannung sein. Das hat in seiner verzweifelten Harmlosigkeit etwas Groteskes und Erschreckendes. Aber auch das ist der Stoff, aus dem Melodramen gemacht werden.

Evas Begeisterung kippt um in Verzweiflung. Sie kann nicht loslassen und er kommt nicht näher. Die Anerkennung als besonderes Wesen, die er ihr nicht gibt, lässt ihre Welt zusammenschrumpfen auf die Sucht, es von diesem einen Menschen zu bekommen. Sie versucht, ihre eigene Leere aufzufüllen mit seiner Macht, aber je mehr sie auf seine Macht schielt, desto leerer wird sie selbst. Die Distanz, die Hitler einhält, entfacht in ihr eine Verzweiflung, die sie für Liebe hält. Das ist der neurotische Kern vieler ‚verzehrender Leidenschaften.‘

Eva Braun hatte von Anfang an auf eine konventionelle Ehe gehofft. Es fiel ihr nicht leicht, sich mit dem Dasein einer verheimlichten und gering geschätzten Mätresse abzufinden. Hitler hatte gesagt: „Und für die Liebe halte ich mir ein Mädchen in München.“ Ihr Vater war empört über ihr sittenloses Leben und schrieb deswegen an den „Sehr verehrten Herrn Reichskanzler“, der möge doch auf Eva einwirken, sich wieder zurück in die väterliche Obhut zu begeben. Bei dieser Wahl zwischen zwei Vätern sitzt Eva in der Falle. Sie macht zwei sehr ernsthafte Selbstmordversuche und wird, besonders beim zweiten, nur durch Zufall gerettet. Diese von ihr gesuchte Nähe zum Tod überzeugt Hitler als Liebesbeweis. Zumindest fand er, dass er sich jetzt „um sie kümmern müsse.“ Und ihr Dasein wurde leidlich gesichert. Er kaufte ihr ein Haus in München, dann wurde sie Herrin auf dem Berghof, seine Schwester Angelika Raubal, die Mutter Gelis, die bisher dort Haushälterin war und Eva natürlich nicht mochte, musste gehen. Seit 1938 ist sie ein fester Bestandteil von Hitlers Leben, denn in seinem Testament vom 2. Mai 1938 nennt er sie an erster Stelle der Benefizienten. Auch erhielt sie ein Zimmer in der Reichskanzlei.

Sie ist jetzt seine offiziell ausgehaltene, heimlich anerkannte, im Verborgenen Lebende Maitresse.

An seiner Seite erscheinen darf sie nur auf dem Berghof, wo nur der engste Kreis verkehrt und der ist eingeweiht. Sie wurde geführt als Privatsekretärin, durfte nie mit Hitler in einem Auto fahren, gehörte allenfalls zum Tross. Sobald offizieller Besuch kam, musste sie verschwinden. Blieben die Gäste längere Zeit, musste sie in das Haus von Bormann übersiedeln. Es gibt widersprüchliche Aussagen, wovon sie lebte. Zum Teil heißt es, dass Hitler ihr weiter Briefumschläge mit Geld zusteckte, wie in der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft. Albert Speer hatte das, sehr irritiert über seinen Abgott Hitler, kritisiert. Dann ist die Rede von einer Apanage. Zum andern weiß man, dass sie Rechnungen über Einkäufe einfach an Bormann schicken ließ, den Leiter von Hitlers Privatkanzlei. In der Reichskanzlei musste sie den Eingang für das Personal benutzen und ihre Mahlzeiten allein einnehmen. Dabei stellte sie dann ein Bild Hitlers auf ihren Tisch. Ein paar Räume weiter fanden große Empfänge statt, wo Hitler mit den Damen Göring und Goebbels parlierte, die beide Eva Braun verachteten. Emmy Göring lud einmal alle Angestellten des Berghofs zum Tee, unter ihnen auch Eva Braun. Hitler untersagte das.

Sogar Magda Goebbels, seine Muse der Kampfzeit, Erste Mutter des Reichs, eine kluge, weltgewandte Dame, die er bewunderte, hat langsam, aber sicher Terrain verloren, das Eva besetzt hat. Magda befand sich einmal in einer Gruppe von Damen, in der der Satz fiel: „Eva Braun sieht heute wieder einmal ganz besonders unbedeutend aus.“ Eva beschwerte sich bei Hitler und der tobte und weigerte sich fast ein Jahr lang, Magda zu empfangen, obwohl sie alles versuchte, um ihm zu beweisen, nicht sie habe den Satz gesagt. Nur in der Abspaltung von Lebensbereichen fühlt er sich sicher. Magda, wird in dem Moment, wo er sie kennenlernt, von ihm sofort auf sexuelle Distanz gebracht, indem er sie mit Goebbels verheiratet. Eva, die ihm zu Beginn sexuell, dann langsam auch emotional etwas bedeutete, durfte ihm intellektuell nichts bedeuten, denn dann hätte die Gefahr bestanden, dass er die Kontrolle verlor. In ihrer Gegenwart sagt er unnötig brutal, dass bedeutende Männer dumme Frauen haben sollten, weil sie sich sonst nicht ausruhen könnten. Das kann er nur mit einem einfachen Mädchen aus dem Volk, dem ‚Tschapperl‘. Repräsentieren an seiner Seite durften Magda Goebbels und Emmy Göring, die Maitresse Eva muss unsichtbar bleiben, denn Hitlers offizielle Ehefrau ist Deutschland. Es gibt fast keine Archivaufnahmen von ihr. War sie aus Versehen doch einmal auf einem Foto zu sehen, wurde sie weggeschnitten. Wie zum Trotz hat sie von sich selbst Bilder gemacht. Viele Filme, auf denen sie den Berghof filmt, sich selbst, Hitler und ihre Freunde, liegen in amerikanischen Archiven.

Eva füllt die Leere, wenn er nach einem Abend mit seinen einstudierten Posen des Wiener Charmes, der Handküsse, Blumen und Pralinen und der immer wiederkehrenden Fragen nach den Kindern, mit sich selbst konfrontiert ist. Sie ist „frisch und bescheiden und freundlich,“ so Albert Speer, auch er ein gefühlsgehemmter Mann, der sie sehr mochte. Eva ist die Frau als schmeichelndes Kind-Kätzchen. Die darf (und will) nicht erwachsen werden. Männer sind Väter, auch wenn die moderne Frau sie ‚Daddys‘ nennt, gegen die man auch mal in Maßen ein bisschen mutwillig sein darf, weil die Sache sonst den Reiz verliert, aber man kennt die Grenzen. Eva nannte Hitler ‚Chef‘, ‚mein Führer‘, aber auch ‚Du‘, was eine merkwürdige Mischung war aus Vertrautheit und nachlässigem Respekt. Im Lauf der Zeit wird sie auch kühn, kritisiert ihn, aber nur in Bezug auf seine Kleidung und auf bestimmte alltägliche Gewohnheiten wie seine Vorstellung, Frauen sollten nicht rauchen. Sie war eine starke Raucherin, aber rauchte nicht in Hitlers Gegenwart. Fing er mit seiner Tirade an, pfiff sie Smoke gets in your eyes. Herablassende Ironie war traditionell die weibliche Waffe, wenn man eine Ordnung hinnahm, die man nicht wollte, die man aber auch nicht ändern konnte.

In zunehmendem Maß ließ er sich von ihrem „gesunden Hausverstand in Alltagsdingen“, beeinflussen. Dem Gehemmten, der sich das Leben nur im hysterischen Redekrampf erspielen konnte, bringt die „harmlose Lebhaftigkeit“, die er an allen Frauen mochte, mit denen er sich gern umgab, wenigstens etwas von dem, was ihm so fehlte: Lebendigkeit. Über das Hin und Her zwischen Besessenheit und Apathie bei Hitler hat Speer gesagt: „Hitlers Wesen war tot, weil es leer war.“ Eva belebte die Apathie, sie wird zu seinem Realitätsanker, denn selbst er kommt ohne ein bisschen Realität nicht aus.

Eva lebte das Frau-Sein als Beruf in einer rein fiktiven Repräsentation. Mit ihrer Toilette trieb sie einen kulthaften Aufwand. Bis zu 7-mal täglich wechselte sie Kleidung und Frisur, verwandelte sich von einer Frau in die andere mit Hilfe eines eigenen Dienstmädchens und eine Friseurin. Das Einzige, was sie interessierte, war das einzige, was sie lebte: Liebesgeschichten. Einmal, als die Windsors kamen, grollte sie wirklich, als sie ausgesperrt wurde. König Edwards Verzicht auf den Thron zugunsten seiner Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallys Simpson erregte wie nichts anderes ihre Phantasie. Und ihre große Hoffnung war, dass sie nach dem Krieg, wenn Hitler die Weltherrschaft errungen haben würde, als Filmschauspielerin in Hollywood ihre und Hitlers Liebesgeschichte in einem Film verkörpern könne. Das war für 1951 geplant.

Das ist der Gipfel der infantil-narzisstischen Neurose: Der Mann muss die Welt niederringen, um der Frau ihren Jugendwunsch zu erfüllen, Schauspielerin zu sein und der gesamte Erdball schaut zu. Die amerikanischen Psychoanalytiker, die Hitler eine infantil-narzisstische Neurose bescheinigten, hätten Eva die gleiche Diagnose gestellt. Es gibt viele Gründe anzunehmen, dass auch jeder andere reiche oder mächtige Mann zu Evas Mr. Right oder Mr. Big hätte werden können. Aber diese infantil-narzisstische Neurose war wohl das geheime und stärkste Band zwischen Eva und Hitler.

Maitressen haben oft politischen Einfluss gehabt, denn sie hatten das Ohr der Mächtigen. In einem kürzlich erschienenen Buch über Eva Braun wird ihr ein großer Einfluss auf Hitlers politische Entscheidungen unterstellt. Das hat erst einmal für den beabsichtigten Skandal gesorgt nach dem Muster ‚cherchez la femme‘. Durch nichts ist das belegt. Politische Abstinenz war der Eckpfeiler von Evas Beziehung zu Hitler. Das bedeutete für sie keinen Verzicht. Sie hasste politische Gespräche und Diskussionen und langweilte sich bei Hitlers politischen Reden. Mitglied der Partei war sie nie, die von der Partei für Frauen bestimmten Publikationen des NS hat sie verachtet. Sie warnte auch ihre Schwester Ilse, die lange Zeit bei einem jüdischen Arzt gearbeitet hatte und mit ihrer Kritik nicht zurückhielt, dass sie nichts für sie tun würde, wenn der Führer sie in ein Konzentrationslager stecken würde. Eva Brauns politischer Ehrgeiz beschränkte sich darauf, zu protestieren, als sie 1943 von der bevorstehenden Einstellung der Kosmetik-Produktion und dem beabsichtigten Verbot der Dauerwellenflüssigkeit erfuhr. Hier fühlte sie sich getroffen. Das unterblieb dann auch, weil Hitler den Unwillen der Frauen fürchtete.

Der Mensch, der Hitler am nächsten stand, hat von der Wirklichkeit des Dritten Reichs am wenigsten mitbekommen. In einem Regime, das die Perversion zur politischen Haltung entwickelt hatte, lebte Eva wie in einem Zeitloch.

Eva und Hitler lebten extreme Privatheit, aus der alles Politische ausgeschlossen wurde. Das war nicht anders als in vielen deutschen Ehen, in denen die Dinge, über die man nicht reden wollte, „kein Gesprächsgegenstand waren“, wie es immer wieder, nicht nur bei Speer, heißt. Man ahnte, aber man wollte nichts Genaueres wissen. Zwischen der Familie als dem Bereich von Glück und der Welt als dem Bereich von Politik gab es keine Verbindung. Das Leben ist kein Ganzes, sondern es wird abgespalten in verschiedene Teile. Wenn diese Teile aufeinandertreffen, bleibt zwischen ihnen ein Abgrund. Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 schreibt Hitler ihr, dass er unverletzt sei. Sie antwortet: „Geliebter, ich bin dem Wahnsinn nahe. Das Wetter ist schön.“

Ende 1944, als der größte Teil Deutschlands schon zerbombt war, sorgte sich Eva nicht um Deutschland, noch nicht einmal um sich selbst, sondern darum, dass bei Hitler massive Verfallserscheinungen auftraten. Er sagte ihr, dass er aus Müdigkeit und Überarbeitung sie nicht mehr sexuell befriedigen könne und sie solle sich einen anderen Mann suchen. Sie drängte seinen Arzt, ihm sexuelle Stimulantien zu verschreiben. In einem ihrer letzten Briefe an eine Freundin, als die sowjetischen Truppen schon fast vor der Reichskanzlei standen, beklagte sie sich vehement über den Preis, den eine Schneiderin ihr für eine Bluse abverlangte.

Gegen Hitlers Wunsch fährt sie in den letzten Wochen vor Kriegsende nach Berlin, um im Bunker mit ihm zusammen zu sein. Sie nimmt diese Situation nach Zeugenaussagen sehr ruhig und gelassen hin.

Hitler war von der Freiwilligkeit, mit der sie neben ihm in den Tod gehen wollte, so gerührt, dass er den entscheidenden Schritt tat und sie heiratete. Seine andere ‚legitime‘ Ehefrau, Deutschland, hat versagt, wie er es sieht, aber die Geliebte hat den Todestest bestanden, jetzt wird sie legitimiert. Nach zwei missglückten Selbstmordversuchen Evas führt die dritte Annäherung an den Tod endlich zum Ziel: sie hat die öffentliche Präsenz an seiner Seite für ein paar Stunden, als es eine Öffentlichkeit, die es hätte merken können, nicht mehr gibt.

Einer der vielen eindringlichen Momente der Wahrheiten über das Dritte Reich ist der, als die fanatische Muse Magda Goebbels und die unpolitische Geliebte Eva Braun beide Luft schnappen wollen und sich dabei zufällig auf der Treppe des Bunkers begegnen. Hitlers Ehefrau Deutschland lag in Schutt und Asche, Muse und Geliebte sahen, wie die wichtigsten Dokumente verbrannt wurden. Beide wussten, was das bedeutete. Zwei Tage später hatten alle Selbstmord gemacht.

Die Mutter: Magda Goebbels

Das prominenteste Beispiel einer autonomen Frau war Magda Goebbels. Sie war eine Nazifrau der frühen Stunde und hat die NSDAP, diese Partei der Schläger und Rabauken, in Berlin hoffähig gemacht. Die völlig Unpolitische hatte aus Langeweile eine Wahlveranstaltung besucht, auf der Hitler und Goebbels sprachen. Am nächsten Tag trat sie der Partei bei. Sie wird sofort zur Frauenschaftsführerin im feinen Berliner Westend und liest alles von und über die NSDAP, was sie bekommen kann. Sie stellt sich der Partei als Sekretärin zur Verfügung, lernt Goebbels kennen und wird von ihm mit der Führung seines privaten Pressearchivs betraut. Nach kurzer Zeit sind die beiden ein Liebespaar. Dann geht sie in den Kaiserhof, in dem Hitler immer logierte, wenn er in Berlin war, und platziert sich so, dass Hitler die mondäne, elegante Dame bemerken muss und sie ihm vorgestellt wird. Sie beeindruckt ihn tief und er sagt zu seinem Adjutanten: „Diese Frau könnte für mich sehr wichtig werden als Gegenpol gegen meine einseitig männlichen Instinkte, wenn sie nur …..verheiratet wäre und zwar nicht mit mir, da ich nach dem Tod meiner Nichte Geli keine Frau mehr lieben kann, sondern mit einem anderen.“ Er bittet ausdrücklich, ihr dies auszurichten. Auf Magda wirkt das wie eine uneingestandene Liebeserklärung, die viel verlockender ist als eine eingestandene, weil sie Raum lässt für Freiheit und Projektionen. Magda sagt: „Es gibt nichts, was ich für Herrn Hitler nicht täte.“ Sie heiratet Goebbels.

Magda war kein ‚Tschapperl‘. Sie war die geschiedene Frau des Unternehmers und Millionärs Quandt, den sie im Zug kennengelernt hatte, als sie 17 Jahre alt war. Die Schülerin hatte auf den doppelt so alten Mann Eindruck gemacht, nicht nur wegen ihrer attraktiven Erscheinung, sondern auch wegen ihrer Ernsthaftigkeit. In Kleidung und Benehmen war sie schon eine erwachsene Frau. Magda hat nicht mit diesem mächtigen Mann kokettiert, sie unterhalten sich im Gegenteil über seine Firmen und sie fühlt sich ernst genommen als Partnerin. Die Verführung, für die sie empfänglich ist, ist die (wirtschaftliche) Macht, die Sicherheit eines Lebensentwurfs, nicht das Geld. Ein Biograph schreibt: „Sie ist nicht berechnend und nicht geltungsbedürftig, aber ehrgeizig ist sie in jeder Sekunde ihres Lebens.“ Ein Jahr später wird geheiratet. Aber die Ehe hält nicht, denn er interessiert sich nur für seine Firmen, schläft im Theater ein, kontrolliert sie, die einen Haushalt mit 7 Personen, einem eigenen und mehreren fremden Kindern und etlichen Dienstboten führen muss, als sei sie ein unmündiges Kind und weist ihr das Taschengeld zu. Das große Gesellschaftsleben, das sie erhofft hatte, findet nicht statt. Die kluge, mehrsprachige Magda ist alles andere als eine Frauenrechtlerin, aber sie hat klare Vorstellungen von ihrem eigenen Wert und einer gleichberechtigten Partnerschaft. Mit beträchtlicher List erreicht sie eine komfortable Scheidung.

Jetzt ist sie unabhängig, kann tun und lassen, was sie will, hat Liebhaber, aber dieses Leben langweilt sie unsäglich, denn es hat keine Bedeutung. Langeweile ist das schleichende Anwesen des Nichts. Aus Langeweile geht sie auf den Vorschlag ihres Freundes, des Hohenzollernprinzen August Wilhelm, der schon Parteigenosse war, zu der schicksalhaften Wahlveranstaltung. Diese Hinwendung zur Politik ist kein Erwachen eines politischen Interesses, sondern funktioniert wie eine religiöse Bekehrung.

Und Hitler ist der Gott und Goebbels der Messias.

Was Magda in diese radikale Partei zog, war das Pathos der religiös überhöhten Gewalt. Sie hat ein Ohr gehabt für die Verführung der Destruktion und die Lockung des Nichts, die in Hitlers Botschaften lauerte. Das war ein Antidot gegen die eiserne Konsequenz, die sie in ihrem Leben praktizierte, gemäß ihrer Lebensmaxime „Wer A sagt, muss nicht nur B, sondern auch Z sagen“. In der Sprache der Militärs heißt so etwas: bis zum bitteren Ende. Magda war schon früh in der Pose einer Dame erstarrt. Damen sind Bilder, hergestellt aus Kontrolle, Pflichtgefühl, Disziplin und Beherrschung. Trotz ihrer ständigen Schwangerschaften, Fehlgeburten und Abbrüche war ihr nichts so wichtig wie ihre gute Figur und ihre Erscheinung. Sie stillte jedes Kind nur drei Wochen und hielt sich dann an eine eiserne Diät. Sie arbeitete unermüdlich daran, dem Bild, das sie von sich geschaffen hatte, zu genügen. Die von Hitler verkörperte Destruktivität lockte damit, diesen narzisstischen Panzer aufzusprengen.

Magdas Autonomie war nicht auf Asexualität gegründet. Es gibt in ihrem Leben eine ständig wiederkehrende Situation: immer wieder inszeniert sie mit wechselnden Männern erotische Dramen um ihre Person. Erotik wird ihr zum Kampfplatz und alles sofort zur gewaltsamen Szene, in der sie die Hauptrolle spielt. Magda zündelt, bis die Männer den Verstand verlieren und sich die losgetretene Gewalt gegen sie selbst wendet. Die erotischen Stürme, die sie entfacht, dienen der Anerkennung als begehrtes Objekt, aber auch dem Versuch, so ein Stück Lebendigkeit zu erleben. Denn Magda hat kein reales Ziel, es geht ihr nicht um Eheversprechen, Lebensabsicherung oder ähnliches. Sie provoziert den gewaltsamen Liebestaumel, weil sie selbst in ihm untergehen will. Der amerikanische Multimillionär Howard Hoover wollte sie heiraten und als sie ablehnte, ließ er gekränkt das Auto so schnell fahren, dass es verunglückte und Magda mehrere Wochen mit Knochenbrüchen im Krankenhaus lag. Und da gibt es die Legende um den Mann, der sie aus Liebe erschießen wollte, aber die Kugel schlug im Türstock ein und sie soll gerufen haben, es hätte ihr imponiert, wenn er es geschafft hätte.

Sie sucht sich politisch-revolutionäre Männer, mit deren Hitze sie ihre eigene Kälte aufsprengen will. Ihr Jugendfreund war der Jude Victor Arlosoroff. Arlosoroff hatte charismatische Überzeugungskraft, intellektuelle Brillanz und seine revolutionäre Haltung war von seinen Ideen nicht zu trennen. Er lebte eine Entschiedenheit, einen Glauben, der aus einer zufälligen Existenz eine notwendige machte. Mit ihm zusammen hatte die jugendliche Magda im Scheunenviertel die Juden aufgesucht, um sie für den Zionismus zu begeistern. Sie wollte mit ihm nach Palästina gehen, was Arlosoroff dann später allein tat. Als Kopf der politischen Abteilung der Jewish Agency hat er 1933 ergebnislos mit den Nazis wegen der möglichen Emigration der Juden verhandelt. Kurz darauf ist er am Strand von Haifa ermordet worden. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Es gibt Anzeichen dafür, dass hinter diesem Mord Goebbels steckte, der fürchtete, dass das Vorleben seiner Frau ihm zum Verhängnis werden könnte, denn Goebbels hatte keine Hausmacht, er hing völlig von Hitler ab und Magda hatte zum ‚Führer‘ die besseren Beziehungen.

Goebbels und Hitler verhießen Magda die öffentliche Anerkennung ihrer unbewussten Sehnsucht nach der Destruktion. Im NS wurde ihre private Obsession zur politischen Gefühlslage. Es falsch anzunehmen, Goebbels sei Magdas zweite Wahl gewesen, weil sie Hitler nicht bekommen konnte. Ihr enges Verhältnis zu Hitler führte immer wieder zu Gerüchten, dass es auch ein sexuelles gewesen sei. Henriette v. Schirach schreibt zweideutig: „Hitler war die Inkarnation alles dessen, was sie liebte.“ Immer wieder hat man die Vornamen ihrer Kinder, die alle mit H anfangen, dahingehend gedeutet, dass es sich um Hitlers Kinder handeln würde. Noch die jüngste Goebbels-Biographie von Peter Longerich behauptet, es habe sich zwischen Goebbels, Hitler und Magda um eine „Dreiecksbeziehung“ gehandelt. Beweis dafür sollen die häufigen Zusammentreffen zwischen Hitler und Magda sein, die Goebbels in seinem Tagebuch notiert.

Aber das verkennt die Natur dieser Beziehung. Das Dreieck, in das Magda eingewilligt hat, bietet ihr im Gegenteil die Gelegenheit, den Zwiespalt von Unterwerfung und Auflehnung, in den die autonome Frau gerät, wenn es um Erotik und Sexualität geht, leben zu können. Magda kann als gläubige Magd den Messias Hitler verehren und sich ihm völlig zur Verfügung stellen und dabei mit dem ebenfalls Hitler verehrenden Goebbels eine Ehe führen, in der es pausenlos hin und her geht zwischen Kampf und Sex. Hingabe und Selbstbehauptung wurden so auf verschiedene Männer verteilt. Auch dies war eine Form der Abspaltung. Deshalb hat Magda in der Konstellation zwischen sich, Goebbels und Hitler die Konstellation ihres Lebens gefunden.

Ihre am Anfang enge, fast exklusive Beziehung zu Hitler, aus der Goebbels sich manchmal ausgeschlossen fühlte, ist eine Art seelischer Geschwisterinzest, eine spiegelbildliche Ähnlichkeit zwischen einem Mann, dessen Männlichkeit performt und stark weiblich bestimmt war und einer Frau, die für sich die männlichen Werte von Autonomie, Stolz und Heroismus in Anspruch nahm. Auch beider Herkunft schuf eine spiegelbildliche Verbindung. Er war Sohn einer Dienstmagd, die ihren eigenen Onkel geheiratet hatte und dessen eigener Vater, Hitlers Großvater, unklar war. Diese Unsicherheit war gefährlich für den Führer einer Ideologie, die den Wert eines Menschen auf seine Herkunft reduzierte. Auch Magda kam von ganz unten. Sie war das uneheliche Kind eines Dienstmädchens, ein Vater wurde in der Geburtsurkunde nicht erwähnt. Der reiche Bauunternehmer Ritschel, Arbeitgeber von Magdas Mutter, heiratete die Mutter wenig später, aber er legitimierte Magda nicht als sein Kind. Wer ihr wirklicher Vater war, hat sie nie gewusst.

Magdas Wunschbild für ihr eigenes Leben war nicht nur das der autonomen erotischen Frau, sondern das der autonomen, erotischen Mutter.

Sogar heute noch ist das eine Utopie, die nur sehr selten eingelöst werden kann. Magda hatte sich immer viele Kinder gewünscht und die zentrale Rolle, die die Mutter im Weltbild der Nazis spielte, war für sie wichtig. Ihre Funktion als ‚Erste Mutter des Reiches‘ mit ihren 7 Kindern füllte sie gern aus und es war ihr Dasein als Mutter, das ihr den öffentlichen Rang einbrachte, der in diesem Männerstaat anders nicht zu haben war. Aber ihr Ehrgeiz ging weiter. Sie hatte nach der Machtergreifung Präsidentin des Deutschen Modeinstituts werden wollen. Goebbels hat das untersagt mit dem Satz: „Eine Mutter gehört zu ihren Kindern.“ Den Posten bekam dann ein Mann. Dies war ihre erste bedeutende Niederlage und läutete den Beginn ihres Verfalls ein. Gegen seine Domestizierungsversuche hatte sie sich gewehrt seit sie ihn kennengelernt hatte. Das führte zu den ständigen Krächen, die Goebbels in seinem Tagebuch minutiös verzeichnet. In ihrer Ehe ging es hin und her ging zwischen Liebe und Kampf, ihrem Selbstbehauptungswillen und seinen Versuchen, sie auf die klassische Mutterrolle zu verpflichten.

Am Anfang gibt es immer noch nach jedem Krach die gewaltsame erotische Versöhnung. Aber je mehr Kinder da sind, desto weniger ist sie für ihn noch die Geliebte, desto stärker wird sie für ihn zur „Mutter meiner Kinder“, zur „Frau, die zu mir gehört“. Und er nimmt sich das Recht, sein eigenes Leben zu führen.

Letzten Endes hat er den Kampf gewonnen, denn ohne eigenes Vermögen war sie wie alle Hausfrauen eine ausgehaltene Frau, die sich gegen seine unaufhörlichen erotischen Eskapaden nicht wehren konnte. Als Goebbels eine ständige Geliebte als zweite Ehefrau etablieren wollte, war seine Begründung so alt, wie grausam und lapidar: „Du bist jetzt 37, hast 6 Kinder und Dein Leben gelebt. Aber ich bin in der Blüte meiner Jahre.“ Magda ging zu Hitler und erreichte nach zähen Verhandlungen eine für sie vorteilhafte Regelung, die ihn an die Kette legte. Aber danach hatte Goebbels seine Amouren eben mit seinen Sekretärinnen und Magda resignierte. Die Macht und das Geld waren bei ihm.

Je stärker sich das Reich festigte und sie vom politischen Geschehen ausgeschlossen war, desto mehr flüchtete sie sich in die Religion des Nichts, den Buddhismus. Wenn er das Theater besuchte, fuhr er in seinem großen Wagen vor, sie folgt in ihrem kleinen hinterher. Er tobte an ihr seinen Sadismus aus, indem er den Ärzten verbot, ihr gegen ihre äußerst schmerzhafte Trigeminusneuralgie Morphium zu geben. Jetzt erst sagt sie den Satz: „Josef ist doch der größte Schurke, den das deutsche Volk je gehabt hat.“ Die von vielen Schwangerschaften Zermürbte somatisiert immer stärker ihr Unglück, sie hat die letzten beiden Jahre fast nur noch im Sanatorium zugebracht. Das private Elend öffnet ihr (ein bisschen) die Augen für einen größeren Zusammenhang.

Der Mord an ihren Kindern festigt noch einmal das Bild, das sie für sich entworfen hat: das der heroischen Frau, für die, die wenn sie Mutter ist, der Heroismus nur über das Kinderopfer zu erreichen ist. Er enthält aber auch das verdeckte Eingeständnis, dass ihr Unternehmen, die unerreichbare Natur des Weiblichen in die Form der autonomen, erotischen Mutter zu gießen, gescheitert war.

Die Amazone: Leni Riefenstahl

Ina Seidl unterscheidet in ihrem Buch die Frauen in Priesterinnen, Mütter und Schauspielerinnen. Leni Riefenstahl hat sich für eine Kompromissbildung von Schauspielerin und Priesterin entschieden und das verminte Terrain des Mütterlichen sorgfältig gemieden. Sie teilt viele von Magdas Wünschen, besonders den, um jeden Preis als Frau Teil einer Männergesellschaft zu sein. Aber sie hat das ohne das Handicap der Mutterschaft gelebt. Und sie hatte einen weiteren Vorteil: Von vornherein war die Konzentration der Frau auf ihren Körper bei ihr auch Berufsausübung, denn sie war Tänzerin. So konnte sie dem Zwiespalt, an dem Magda Goebbels zerbrochen ist, entgehen.

Die junge Leni Riefenstahl war Schülerin von Mary Wigman und Tanz und Sport wurden ihre Medien. Der durch den Willen beherrschte, aber nicht zivilisierte Körper wurde ihr Ideal und zur Projektionsfläche von Kontrolle und Begehren. Ihre Suche ging nach dem Schönen, Starken, Gesunden in der doppelten Körpererfahrung: der Natürlichkeit und der Perfektion. Das zusammen zu bringen, kann nur in mehr oder minder gewalttätigen Ritualen erreicht werden.

Alles, was sie in jungen Jahren tat, tat sie heimlich, gegen den Willen ihres sehr autoritären Vaters und mit diskreter Hilfe ihrer Mutter. Alfred Riefenstahl erwartete von seiner Frau und seiner Tochter absoluten Gehorsam. Dass diese ihm monatelang Lenis Bühnen- und Tanzaktivitäten verschwiegen hatten, führte zu einer schweren familiären Krise. Um nicht in ein Internat geschickt zu werden, ging Leni Riefenstahl an die Staatliche Kunstgewerbeschule in Berlin, wo sie kurzzeitig Malerei lernte. Stationen in einem Pensionat und als Sekretärin im Betrieb ihres Vaters folgten, bis, endlich, der Vater sich mit den Bühnenträumen seiner Tochter einverstanden erklärte. Sie hatte gewonnen. In sehr ähnlicher Weise hat auch Emmy Göring nur mit der heimlichen Hilfe ihrer Mutter und gegen den Widerstand ihres Vaters den Weg zur Bühne gefunden. Riefenstahl wird der Widerstand gegen das väterliche Gebot zur Natur und zur Quelle ihrer lebenslangen Verherrlichung des Kampfes. Mein Kampf hätte auch der Titel ihrer Memoiren sein können.

Aber „wer verfolgt, folgt.“ (Ernst Bloch).

Im ‚Führer‘ findet Riefenstahl zugleich die Apotheose des bürgerlichen Patriarchen und seinen Widerpart. So kann sie sich ihm mit Begeisterung anschließen und doch ihrem Widerstand treu bleiben. Hitler und der Nationalsozialismus befriedigen ihre Sehnsucht nach einer bis ins Unendliche gedehnten Autorität und glühender Barbarei gleichzeitig.

Eine Verletzung beendet ihre erfolgreiche Karriere als Tänzerin und sie wird für ein Jahrzehnt Darstellerin in extremen Bergfilmen, ein damals sehr beliebtes Genre, wo es auf den physischen Einsatz ankommt. Sie wird Spezialistin für den Kampf in Schnee und Eis und spielt die schwierigsten Parts selbst, sie lässt sich nicht doubeln. Damit wird sie ein Bild für weibliche Modernität, die damals stark mit dem Sport identifiziert war. Mit allem, was sie dort gelernt hat, wechselt sie ins Regiefach. 1931 beginnt sie mit dem Drehbuch zu ihrem ersten eigenen Film Das blaue Licht und arbeitet mit Béla Balázs zusammen, einem ungarischen Filmtheoretiker. Um den Film zu realisieren gründet sie ihre erste eigene Filmgesellschaft, die Leni Riefenstahl Studio-Film als alleinige Gesellschafterin. In diesem Film ist sie zuständig für so gut wie alles: Finanzierung, Drehbuch, Regie, Produktionsleitung und Schnitt. Der Film gewinnt bei der Biennale in Venedig die Silbermedaille und wird auch darüber hinaus ein großer Erfolg. Und auch Hitler ist von diesem Film fasziniert.

Es ist eine ganz ungewöhnliche weibliche Karriere und zeugt von einer imponierenden Willensstärke. Das Karrieremodell basiert aber auch auf der klaren Ausnutzung ihrer engen Freundschaft zu Hitler seit 1932 und wird von Beginn an eisern und erfolgreich verteidigt und vorangetrieben. Als Balàzs Geldforderungen erhebt, übergibt Riefenstahl im Oktober 1933 alle Angelegenheiten in Sachen „des Juden Béla Balázs“ an den radikalen Antisemiten und Herausgeber des Stürmer Julius Streicher. Als Hitler sie gegen den Willen von Goebbels, der einen nationalsozialistischen Eisenstein suchte, mit dem Parteitagsfilm beauftragt, ändert sie den Namen ihrer Firma in die „Reichsparteitagfilm GmbH“ um. Der Film Triumph des Willens, für den sie viele in- und ausländische Preise erhielt, begründet ihren Ruf als innovative Schöpferin nationalsozialistischer Propaganda und ebnet ihr den Weg für die Olympia-Filme. Auch sie sind weltweit erfolgreich. In Hitlers geplanter neuer Welthauptstadt Germania waren für die Riefenstahl-Studios 26.000 Quadratmeter eingeplant.

Die vier Filme, die Leni Riefenstahl während des Dritten Reichs gedreht hat, zeigen „das unangenehme Paradox einer faschistischen Filmkunst von Rang.“ (Georg Seeßlen) Leni Riefenstahl hat neue ästhetische Ausdrucksformen bei Licht und bei Schnitt erfunden. Das kann man würdigen, ohne sich den Blick trüben zu lassen auf das, was die Filme zeigen. Triumph des Willens zeigt die klare Gliederung der Masse als Sieg der Ordnung über das Chaos. Der politische Raum ist mit fast mathematischer Präzision gegliedert, auf den Einen an der Spitze ausgerichtet und damit beherrscht. Alle Hysterie, die Hitler bei den ihn umlagernden Frauen verabscheute und fürchtete, ist hier verschwunden. Das ist zum Teil auch Ergebnis einer Zensur, die immer dann aktiv wurde, wenn die Kamera zu lüstern die Leiber abfuhr, hier ging es schließlich um Höheres. Dieses ‚Höhere‘ erfährt seine reine Weihe nun in der Abstraktion der Form. Der Film beschreibt abstrakt-filmisch bizarre Kopulationsvorgänge: die Masse breitet sich aus und die Führer streben nach oben. Die Masse öffnet ihnen ihre Gassen wie die Frauen bei der Ankunft des Führers ihre Fenster öffnen. So bildästhetisch sublimiert, kann der Kopulationsvorgang zwischen Führer und Volk ohne Angst genossen werden. Im Triumph des Willens drückt sich jene vollständige Einheit von Körper und Geist aus, ohne die sich die perverse Sehnsucht des Kleinbürgers, sich selbst zu versklaven und als Masse und Maschine ein Anagramm des unterdrückten Körpers zu bilden, nicht realisieren lässt. Aber damit ergibt sich ein merkwürdiger Effekt:

„So paradox es erscheint, als kriegerische, zu Blut und Opfer bereite Masse werden die Männerkörper ‚weiblich‘.“ (Georg Seeßlen)

In einem Film, der als Apotheose des Kriegerisch-Männlichen gilt, hat Riefenstahl die geschlechtliche Doppelgesichtigkeit des Dritten Reichs mit kühler Perfektion visualisiert. Dass es ausgerechnet eine Frau war, die die Ästhetik des heroischen Männerkörpers so präzise einzufangen verstand, erfüllte viele mit Unbehagen. Es schien der männlich-brutalen Seite des Regimes zu widersprechen. Aber wenn Riefenstahl als Regisseurin den Kunstgriff vollbringt, Hitler als Gott zu zeigen, der vom Himmel kommt, ihr Kamerablick aber so mit dem die ‚weibliche Masse‘ beherrschenden Führer-Mann identifiziert, dass er zu ihrem eigenen Blick wird, kommt hier ein Surplus zum Tragen. Es ist der Blick einer Frau, die „sich phallisch-narzisstischen Werten bedingungslos hingibt“, wie Margarete Mitscherlich gesagt hat. Ein solcher Blick ist ein doppelter. Was für den Mann eine simple Identifikation ist, ist für die Frau eine komplexe. Und das macht durchgehend die Ästhetik ihrer Filme aus.

Riefenstahl sah auch das eigene Geschlecht mit den Augen des heroischen Mannes. Gottfried Benns Verklärung Spartas, die Krieg, Sklaverei, Männlichkeit, Züchtung, Tötung, Sport und Kunst verherrlicht, war wenigstens in Teilen auch ihre. In all dem ist eine deutliche Verachtung des Weiblichen. Im Olympia-Film geht die geopferte Frau in Flammen auf. Jedes Bild und jeder Satz von Leni Riefenstahl ist eine Gewalttat, die vollständige Ersetzung der organischen Welt durch die kriegerische Pose. Das Weibliche wird zerstört/geopfert, damit das Eine, Unwidersprüchliche siegen kann. Liebe kommt nur in Form von Distanzierung und Opfer vor.

Riefenstahl schafft einen weiblichen Komplementärmythos für die barbarische Männergesellschaft: Weil sie ihrem Wesen nach die Frau verabscheut, akzeptiert sie diese nur in drei Rollen: als freiwilliges Opfer, als Amazone und als brünstige Tänzerin, die sich dem Sieger hingeben will. Diese Hingabe ist aber ein reines Phantasma und will keinen Vollzug. Deshalb sind ihre Filme letzten Endes geschlechtslos und gleichzeitig lüstern mit einer eingeschriebenen Todessehnsucht und einer Verknüpfung von Eros und Politik, die einen eigenen Sog erzeugt. Dem ist, wie man an der Nachwirkung ihrer Bilder sieht, offenkundig auch heute nicht immer zu widerstehen. Ihr Ruhm ist seit den 60er Jahren unaufhörlich gestiegen. Das sagt viel über das Unbewusste unserer eigenen Zeit aus.

Der Nationalsozialismus bedeutete für Riefenstahl einen Karrieresprung und sie hat alle Möglichkeiten, die darin lagen, genutzt. Aber ihre enge Nähe zu Hitler war nicht nur Berechnung. Schon am 18. Mai 1932 hatte sie ihm einen Brief geschrieben und um ein persönliches Treffen gebeten. Nach der ersten Begegnung im Mai 1932 schlug sich das gegenseitige Interesse in einer langen Reihe privater Treffen nieder. Und mit den Jahren vertiefte sich diese Freundschaft. Nach eigener Aussage war Riefenstahl von der „Intensität und Kraft seiner Sprache fasziniert und infiziert von seiner Art.“ Zwei Menschen, die starke phallisch-narzisstische Züge haben, die beide extrem willensstark und von der eigenen Sendung überzeugt sind, konnten im jeweils anderen die eigenen Phantasien über Vollkommenheit, Überlegenheit und Verführungskunst sehen und bewundern. Auch hier geht es um eine Spiegelidentifikation.

Auch um Hitler und Riefenstahl, wie um Hitler und Magda, waberten die Gerüchte. In der populären Vorstellung war Leni Riefenstahl die ideale Frau für den idealen faschistischen Mann, denn sie war dominant und nicht wirklich sexuell. Es gibt einen Berliner Witz: „Wann wird Deutschland zwei Führer haben?“ – „Wenn Adolf und Leni heiraten.“ Der Witz nannte sie „Adolf Hitlers Gletscherspalte.“ Doch hier verkennt Volkes Witz, dass ein sexuelles Verhältnis zwischen diesen beiden Narzissten höchst problematisch gewesen wäre.

Riefenstahl hat in ihren Memoiren immer wieder beschrieben, wie sie erotische Avancen der NS-Führer symbolhaft abwehrt hätte. Es ist gut vorstellbar, dass sie diese Abwehr nicht nur behauptet, um sich nach dem Ende des Krieges reinzuwaschen. Weiblicher Instinkt, der sich als Überlebenstraining gebildet hatte, hatte schon immer gewusst, dass in der Sexualität die narzisstische Frau vom angebeteten Idol zum benutzten Körper wird. Idol kann nur bleiben, wer sich ständig verweigert oder in die Distanz des Stars entfliehen kann. Narzissmus kann in der Unordnung des Lebens nur untergehen, wie er auch in der vollzogenen Sexualität sofort seine Unangreifbarkeit verliert.

Riefenstahl vermeidet die Erfahrung, dass im Ideal der barbarischen Männergesellschaft nur Vergewaltigung und Unterwerfung adäquate Formen sexueller Kommunikation sind. Als Geliebte wählt sie Männer, die sich ihrem Willen fügen, Naturburschen, die sich führen lassen.

Sie hatte schon in ihrer Filmarbeit die Erfahrung gemacht, dass eine Frau in einer Leistungsgemeinschaft den Männern Konkurrentin und Kumpanin ist. Eine bestimmte Art der sexuellen Neutralisierung ist notwendig, um von dem Platz vor der Kamera auf den Platz hinter der Kamera zu wechseln.

In den Jahrzehnten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hat Riefenstahl stets behauptet, als unpolitische Künstlerin das Ungeheuerliche des Naziregimes damals nicht erkannt zu haben. Das ist eine feige Schutzbehauptung, denn es gibt den fotografischen Beweis, dass sie bei Judenvernichtungen zugegen gewesen ist. In ihrer weiteren Karriere als Photographin blieb sie ihren künstlerischen Aussagen ihrer Filme treu.

Ihre Suche nach dem Schönen, Starken, Gesunden und der doppelten Körpererfahrung, in der Natürlichkeit und der Perfektion zusammenkommen, führt sie jetzt nach Afrika zu den ‚edlen Wilden‘. Und noch immer geht es um mehr oder minder gewalttätige Rituale. Mit ihren sexuellen Bildern sprengt sie dabei die Grenzen des Obszönen. In ihren Büchern über die Nuba wird von der Mutter geschwärmt, die dem Krieger das Geschlecht der Tochter öffnet.

Das Menschliche an Magda Goebbels ist, dass sie an den Widersprüchen gelitten und letzten Endes auch zugrunde gegangen ist, denn in ihrer Zeit waren sie nicht zu lösen. Leni Riefenstahl ist nicht gescheitert, weil es für sie nie etwas Widersprüchliches gegeben hat. Es gibt immer nur das Eine, gewaltsam Geschaffene. Und das ist reine Oberfläche und Ornament. Ihre Körper- und Heldenbilder, ihre Raumerfahrungen und –ordnungen sind so tautologisch wie ihre Aussage, dass es sich dabei um reine (und das bedeutet auch inhaltsleere) Kunst handele.

Die Gralshüterin: Winifred Wagner

„Anders als in der täuschenden Wortsprache ist es in der Musik die Wahrheit selbst, die spricht. Mit dem Übergang vom aufgeklärten Subjekt des „rationalen Logos“ zum „romantischen Subjekt der Nacht der Welt“ (Hegel) wird die Musik zum Träger der wahren, jenseits der Worte gelegenen Botschaft. In der Musik kommt nicht mehr die Semantik der Seele zum Ausdruck, sondern das ihr zugrunde liegende monumentale Fließen der Jouissance jenseits der linguistischen Sinnhaftigkeit. Der unzugängliche Ekzeß bildet den innersten Kern des Subjekts.“ Slavoj Zizek

Musik im Dritten Reich bedeutet Wagner. Und Wagner ist nicht zu denken ohne das Familienunternehmen Bayreuth. Die Patriarchin Winifred Wagner, die diesem Familienunternehmen bevorstand, war eine dritte dieser autonomen Frauen. „Ein rassiges Weib. So sollten sie alle sein. Und fanatisch auf unserer Seite“ schrieb Goebbels. Die Witwe Siegfried Wagners war Hitleranhängerin und Parteigenossin seit 1923, als Hitler sich ihr vorgestellt hatte. Siegfried Wagner hat immer darüber gespottet mit welch heiligem Eifer seine Frau in die Versammlungen der Partei lief. Nach seinem Tod war sie unumschränkte Herrscherin der Festspiele und schmiss den Laden. Schon von ihrem Äußeren her erinnerte die große, starke, kettenrauchende Frau an eine Walküre. Auch sie war von unklarer Herkunft, ein von einer deutschen Familie adoptiertes englisches Waisenkind. Das sehr junge Mädchen hatte den schon über vierzigjährigen schwulen Siegfried, der fast inzestös an seine Mutter Cosima gebunden war, geheiratet und zur Erleichterung der Familie kam jetzt jedes Jahr ein Kind zur Welt.

Diese Familienkonstellation machte es Winifred leicht, Hitlers unausgesprochene Botschaften zu verstehen, auch hier gab es eine Spiegelidentifikation. Winifred hätte Hitler gern geheiratet, auf einem Foto sehen wir sie bräutlich im weißen Spitzenkleid neben Hitler im Frack, es wirkt wie der Gang zum Traualtar. Hitler, der in der Wagner-Familie Wolf genannt wurde, kokettierte mit ihr, sie duzten sich in der Innenwelt Wahnfrieds, in der Außenwelt küsste er ihr die Hand und nannte sie Gnädige Frau. Winifred genoss diese erotisch gefärbte Heimlichkeit, sie, die bisher nur patente Gattin, Mutter und Chefin und im Verständnis der vielen Wagner-Begeisterten ‚Hohe Frau‘ sein durfte. Sie hat ihren Kindern Hitler als idealen Vater präsentiert. Ihre forsche Tochter Friedelind soll die Heiratsgerüchte, die schon seit Mitte der 20er Jahre kursierten, auf fränkisch auf den Punkt gebracht haben: „Mei Mudder mecht scho, aber der Onkel Wolf mecht halt net.“

Winifred findet dafür Entschuldigungen: Natürlich – ein Führer der Deutschen hätte sie als Engländerin nicht heiraten können. Außerdem hatte er ihr immer eingeschärft, sie müsse unverheiratet und Königin bleiben, nach dem Muster, das er selbst vorlebte. Den eigentlichen Grund sprach er nicht aus und sie hat ihn nicht geahnt: Eine Magna Mater heiratet man nicht, man verehrt sie und flieht. Und das umso heftiger, als Hitler hier in Bayreuth nicht nur auf die Imago der machtvollen Mutter traf, sondern auch auf sein Lebensproblem: den Inzest. Winifred war die offizielle Hüterin des Bereichs, in dem der Inzest die kulturelle Weihe bekommen hatte.

In fast allen Wagner-Opern ist Inzest die tragende Säule der Handlung, er wird durch die Musik sublimiert. Auch wenn die Handlung ihn verdammt, die Musik sagt das Gegenteil. Richard Wagner, der „deutscheste aller Komponisten“ hat in der „deutschesten aller Opern“, seinem Ring des Nibelungen, seine Inzestgeschichten mit dem anthropologischen Inzest verbunden und mythologisiert. Dabei hat er die Personen der Vorlage, den nordischen Heldenliedern und dem höfischen Epos, verändert, umarrangiert, familiär zusammengeknüpft. Der Religionswissenschaftler Klaus Heinrich hat gesagt, Wagner habe aus der „Totengeschichte des Nibelungenstoffes ein einziges Inzestspektakel gemacht“.

„Im Ring ist auf der tiefenpsychologischen Ebene vom schwierigen Entwicklungsprozess des Kindes zum mündigen Erwachsenen die Rede. Man kann ihn auf vielerlei Weise lesen, auch als Inzestspektakel. Ergiebig dürfte das deshalb sein, weil der Inzest oder das Inzestverbot sich als ein Indiz verwenden lässt, um die komplizierten Prozesse von Fortschritt und Rückschritt zu erläutern. Wir haben im Ring eine sich über die Musik erfüllende Wunschphantasie. Eine groß ausgespannte, durch viele Einkleidungen und Umformungen und Mythenklitterungen hindurchgeführte Inzestphantasie. Eine in der Musik, über die Musik und durch die Musik ausgelebte Inzestphantasie ihres Schöpfers.“ Nike Wagner

Das Göttliche Paar Wotan und Fricka verkörpert die widersprüchlichen Aspekte des Inzestproblems. Fricka ist die Hüterin von Eherecht und Ehemoral, sie symbolisiert eine gegen das Chaos gesteuerte Kulturordnung und hält den Wälsungen-Inzest für kriminell, für Wotan ist der das Recht ungewöhnlicher Menschen, die sich über das Gesetz hinwegsetzen können. Real inzestuös sind der Bruder und die Schwester Siegmund und Sieglinde, psychischen Inzest betreiben Wotan und Brünhilde, Brünhilde und Siegfried. Brünhilde ist Siegfrieds Mutter, Siegfried kann Brünhilde und Sieglinde, seine Mutter und seine Geliebte nicht auseinanderhalten. Brünhilde fördert, um das inzestuöse Glück anzusteuern, das Wechselspiel zwischen der Imago der Mutter und der geliebten Frau. Sie arbeitet ähnlich wie Kundry, es funktioniert nur besser, Siegfried wehrt sich nicht, er ist kein Parsifal. Denn nicht nur im Ring, auch in den anderen Opern von Wagner ist Inzest ständig gegenwärtig und wenn man den Verbindungen zwischen den Figuren nachgeht, kommt ein familiäres Chaos heraus.

Siegfried ist der Sohn seines Onkels und der Neffe seiner Mutter. Er ist sein eigener Vetter als Neffe und Sohn seiner Tante. Er ist der Neffe seiner Frau, folglich sein angeheirateter Onkel und sein angeheirateter Neffe. Er ist der Neffe und Onkel in einer Person. Er ist der Schwiegersohn seines Großvaters Wotan, der Schwager seiner Tante, die zugleich seine Mutter ist. Siegmund ist der Schwiegervater seiner Schwester Brünhilde und der Schwager seines Sohnes, er ist der Mann seiner Schwester und der Schwiegervater der Frau, deren Vater der Schwiegervater seines Sohnes ist…..usw.

Der glühende Wagner-Fan Hitler konnte, eingehüllt in die Wagnersche Musik, seinem eigenen quälenden Familiengeheimnis eine sakral-mythologische Dimension verleihen.

Denn der „Film noir der Hitlerfamilie“ bestand aus inzestuösen Bindungen, wie der amerikanische Historiker Ron Rosenbaum minutiös dargelegt hat. In der bekanntesten Version gab es in drei Generationen der Familie Hitler/Schicklgruber die Konstellation Dienstmagd/Dienstherr und in zwei Generationen die Onkel/Nichte. Hitlers Großvater, Alois Schicklgruber war das uneheliche Kind einer Dienstmagd, ein Vater wurde in seiner Geburtsurkunde nicht eingetragen. Es gibt die Spekulation, dass es der Bauer war, auf dessen Hof seine Großmutter als Magd arbeitete. Auf jeden Fall hat Hitlers Großvater im Alter von 40 Jahren eine Namensänderung beantragt, um einem behaupteten Willen eines behaupteten Vaters ‚Hiedler‘ nachzukommen. Diesen Namen änderte er dann in ‚Hitler‘. Sein Sohn, Hitlers Vater, heiratete in dritter Ehe seine Nicht Klara, nachdem sie schon lange als Dienstmagd bei ihm gewohnt hatte, und er mit ihr wohl auch schon zu Lebzeiten seiner Frau ein sexuelles Verhältnis gehabt hatte. Für diese Hochzeit brauchte er einen Dispens aus Rom, weil die Blutsverwandschaft zwischen den Brautleuten zu eng war. Nach der Hochzeit behielt Klara, Mutter von Adolf Hitler, die Gewohnheit bei, ihren Ehemann ‚Onkel‘ zu nennen. ‚Onkel‘ sagte auch die Nichte Geli Raubal zu ihrem Onkel Adolf Hitler, als sie bei ihm in München wohnte. Gelis gewaltsamer Tod, ungeklärt ob es Selbstmord oder Mord war, ist immer wieder mit sexuellen Beziehungen zwischen ihr und Hitler erklärt worden. Bewiesen ist nichts, aber sehr schnell sind der Untersuchungsbericht, in dem von ihrem gebrochenen Nasenbein die Rede war und alle Akten der polizeilichen Untersuchung verschwunden. Der Polizeipräsident in München war ein NS-Parteigenosse der ersten Stunde.

Eine andere weit brisantere Version geht davon aus, dass Hitler jüdisches Blut in den Adern hatte. Hans Frank, Hitlers privater Anwalt aus den Kampfzeiten und Generalgouverneur für das besetzte Polen, hat das in einer Notiz kurz vor seiner Hinrichtung im Jahr 1945 behauptet. Der Großvater Hitlers sei das uneheliche Kind einer in einem Grazer Haushalt angestellten Köchin namens Schicklgruber gewesen. Sie war in einem jüdischen Haushalt mit Namen Frankenberger bedienstet, als sie das Kind gebar. Dieser Frankenberger soll für seinen damals 19jährigen Sohn bis zum 14. Lebensjahr des Kindes Alimente bezahlt haben. Frank behauptet, dass Hitler, konfrontiert mit dieser Geschichte, gesagt habe, er wisse, es sei von Seiten seiner Großmutter nur eine simple Erpressung des Frankenberger gewesen, Geschlechtsverkehr hätte nie stattgefunden. Es ist nicht mehr zu klären, welche der unterschiedlichen Spekulationen mehr Wahrheit in sich birgt.

Aber das Unbewusste kennt keinen Unterschied zwischen einem Gerücht und einem Fakt.

Und das Gerücht über den jüdischen Großvater hat Hitler sehr gequält. Auf seinen Befehl haben Himmlers Gestapo-Beamte vier Expeditionen ins Waldviertel unternommen, um in den verschiedenen Kirchen und Taufregistern den Unklarheiten um Hitlers Herkunft auf den Grund zu gehen. Ohne Erfolg. Hitlers Antwort darauf war brachial. Um auch alles auszuradieren, was zu dem volkstümlichen Spott ‚Heil Schicklgruber‘ geführt hatte, hat er den Teil des Waldviertels, in dem die Dörfer seiner Vorfahren Strones und Döllersheim lagen, zum Manövergebiet erklärt und damit für die Zerstörung freigegeben. Von dem Dorf steht nichts mehr außer einer Kirchenruine. Es ist heute noch gefährlich, das durch Warntafeln markierte Gebiet zu betreten, weil überall Minen liegen, die hochgehen könnten. Es ist, als hätte Hitler damit eine unbewusste Phantasie in die Realität übertragen.

Sein Phantasma, einen verleugneten jüdischen Großvater zu haben, hätte bedeutet, dass er ‚verseucht‘ gewesen wäre. Das würde zumindest partiell seinen wütenden Antisemitismus erklären, denn in der Vorstellung vom Inzest rumorte die vom verdorbenen Blut. Durch das gesamte 19. Jahrhundert hieß Inzest Blutschande. Seine Familie bedeutete für Hitler die Drohung mit einer verborgenen Schande, die stärker war als nur der Makel der unehelichen Geburt. Er ist auch zweimal von Verwandten erpresst worden, die damit drohten, Geheimnisse auszuplaudern, die nicht deutlich benannt waren, aber zumindest in Hitlers Phantasie nur den jüdischen Großvater meinen konnten. In diesem unausgesprochenen und deshalb um so quälenderen Dickicht von Vermutungen verschaffte Richard Wagner Erleichterung, denn er verwandelte in seiner Musik ein schmutziges Geheimnis zum Menschheitsschicksal.

Sozialgeschichtlich ist der Inzest ein Phänomen sehr enger und räumlich abgeschotteter Gesellschaften. Psychoanalytisch ist es die Vorstellung des symbiotischen Paradieses, in dem es keine Spaltung zwischen dem Sohn und der Mutter gibt. In wortlosem Einverständnis wird jeder Wunsch erfüllt. Glückliche Symbiose und phantasierter Inzest liegen unmittelbar nebeneinander. So werden Momente des infantilen Seelenlebens reaktiviert und gleichzeitig zeichnet das die reale Situation der Mütter nach, die an ihren Söhnen hängen und der Söhne, die ihre Mütter lieben und vor allen anderen Frauen Angst haben. Aber wenn der Sohn zum Mann werden will, muss er die Herr–schaft der Mutter bekämpften. Es ist das Inzesttabu/verbot, das die heterosexuell-generative Verfassung unserer sozialen Ordnung und Kultur garantiert, in der besonderen Differenzierung der Geschlechter und Generationen. Das sieht nicht nur Freud so, auch Levy-Strauss definiert das Inzestverbot als höchste Regel der Gabe, die den Übergang von der Natur zur Kultur markiert. Deshalb sind die Beziehungen zwischen den Generationen viel stärker tabuisiert als die Beziehungen zwischen Geschwistern. Mit dem Elterninzest gerät unsere gesamte Ordnung ins Wanken. Bei Wagner gibt es Inzest nur mit Mutterersatzfiguren. Der wahre, der archaische Typus des Inzests von Mutter und Sohn erschreckt selbst unbewusst den sonst hemmungslosen Wagner.

Wir wissen, wie stark das Band zwischen Hitler und seiner Mutter gewesen ist, deren ‚Ein und Alles‘ er war, einzig überlebender Sohn nach drei toten Kindern. Hitler hatte seinem Regime einen Mutterkult verordnet, das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn als das einzige und tiefste Liebesband, das es im Leben eines Sohnes gibt (und geben darf) ist auf vielen deutschen Feldpostkarten verewigt. Aber er pflegte auch seinen eigenen. Wo auch immer er war, das einzige Bild, das in allen seinen Häusern und Befehlsbunkern über seinem Bett hing, war das seiner Mutter. Der jüdische Arzt Dr. Bloch, ein Verwandter von Franz Kafka, der die krebskranke Frau Hitler bis zu ihrem Tod versorgte, hat erzählt, er habe nie einen Sohn gesehen, der vom Leiden und Sterben seiner Mutter so erschüttert gewesen war wie Hitler. Nach dem qualvollen Tod seiner Mutter hatte er Dr. Bloch für dessen Fürsorge in einem rührenden Brief gedankt. Noch in hohem Alter hat der Arzt in New York dem fassungslosen Ron Rosenbaum gesagt, der junge Hitler sei ein ‚reizender Mensch‘ gewesen. Dass er der Einweisung in ein Konzentrationslager entging und ausreisen durfte, hatte er Eva Braun zu verdanken. Es war ihre einzige Intervention, die sie bei Hitler zu Gunsten eines Menschen machte. Das war kein Akt der Freundesloyalität, denn sie kannte diesen Arzt nicht. Sie tat es für Hitler selbst, aus der symbiotischen Hellsicht heraus, dass Hitlers Vernichtungswahn gegenüber diesem Objekt an eine Zone rührte, die für ihn selbst gefährlich werden konnte, weil sie seine Mutter einschloss.

Abfällig haben Historiker immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr Hitler bei seinem Aufstieg besonders von älteren Frauen gefördert worden ist. Mehrere Frauen nahmen für sich in Anspruch, ihm Tischmanieren beigebracht zu haben, eine mütterliche Aufgabe. Auch Winifred Wagner gehörte dazu. Wir können mit Recht vermuten, dass in Hitlers Junggesellentum sehr viel persönliche Angst steckte, weil niemand die Mutter ersetzen durfte. Seine Beziehungen zu Frauen sind Fluchtbewegungen. Als er sich in Magda Goebbels verliebte, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als auf deren Ehe mit Goebbels zu drängen. Als deren gemeinsame Tochter Helga 12 Jahre alt war, erklärte Hitler, Helga sei die ideale Frau für ihn, wenn sie 20 Jahre älter und er 20 Jahre jünger wäre. Helga ist das Mädchen vor der Pubertät, d.h. vor der weiblichen Reife. In der Legende, dass seine verstorbene Nichte Geli seine große Liebe gewesen sei, liebte er haarscharf am Inzest entlang und behauptete nach Gelis Tod, die Beziehung sei am Generationenunterschied gescheitert. In depressiven Momenten hat er sich den Schlussmonolog (Isoldes Liebestod) aus Tristan und Isolde vorspielen lassen. Das ist für die 20er Jahre ebenso belegt wie für sein Lebensende. Das Motto im Tristan ist ‚Erlösung dem Erlöser.‘ Müde vom Handwerk des Hassens und Tötens, dieser ‚selbstauferlegten Pflicht‘, wie Himmler das genannt hat, hofft auch der Fanatiker auf Erlösung im Liebestod.

„Die Liebe ist wahrscheinlich die einzige Theologie, in der Gott und Teufel in eins fallen.“ (Nike Wagner)

Winifred Wagner, die Torhüterin der Inzestphantasien, hat 1975 Hans-Jürgen Syberberg ein langes Interview gegeben. Darin bekennt sie sich unerschüttert zu Hitler und dem NS.

„Hitler hatte diesen österreichischen Herzenstakt und die Wärme… ich kannte ihn 22 Jahre. Ich habe nie eine menschliche Enttäuschung an ihm erlebt. Und alles, was ins Dunkle geht bei ihm, ich weiß, das existiert, aber für mich existiert es nicht…also das müssen Sie irgendwie einem Tiefenpsychologen überlassen, mein Verhältnis zu Hitler zu klären.“ Winifred Wagner

Es ist nicht so schwierig, wie sie vielleicht glaubt, der Charme eines Psychopathen kann beträchtlich sein.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, wie dieses Verhältnis bei einem ganzen Volk aussah.

Die präödipale Mutter und die Religion der Perversion

In Telegrammstil:

In jeder symbiotischen Beziehung steckt als Urbild die symbiotische Beziehung mit der Mutter. Die heile Welt der mütterlichen Symbiose schützt und stranguliert gleichzeitig. Der Horizont dieser verschlingenden Liebe ist der Inzest, der Versuch, sich davor zu retten, ist eine ständige Bewegung deutscher Söhne. Aus dem Muttertrennungswunsch entstehen Schuldbewusstsein und Zerstörungswille. Sexuelle Faszination an der Gewalt ist dann das Resultat. Die Destruktionslust ist ziellos, denn sie muss sich gegen alles richten, um sich nicht gegen das einzige Objekt zu richten, das man zerstören will: die, die einem das Leben gegeben hat. Die Gewalt wird universell und pervers. Im Zentrum der Perversion steht die Imago der präödipalen Mutter, die immer die machtvolle Mutter ist, sowohl die gute/sorgende wie die böse/zerstörerische.

Sexuelle Faszination an der Gewalt ist für Hitler gut belegt. Sie wird deutlich an seinem ziellosen Kreisen im Flugzeug über dem brennenden Warschau, an seiner Faszination an den Hinrichtungsbildern der Männer des Widerstandes in Plötzensee. Aber auch private Zeugnisse, wie z.B. das der Schauspielerin Marianne Hoppe bezeugen Hitlers Erregung an Gewaltbildern.

Es waren vor allem Franzosen, Angehörige eines Volkes der cartesianischen clarté, die die psychoanalytischen Einsichten der nachfreudianischen Psychoanalyse auch auf die Kultur bezogen und besonders auf das Nachbarland, von dessen Irrationalität und dunklen Wäldern sie immer gleichzeitig abgestoßen und fasziniert waren. Sie waren besser geeignet als die Deutschen selbst, das Unheimliche am NS nicht als Unbegriffenes stehen zu lassen Francois Mauriac hat das Hakenkreuz schon früh eine ‚blutgetränkte Spinne‘ genannt. Die Spinne ist das Symbol für das Reich der primitiven, verschlingenden Mutter. Auch Thomas Mann hat diese Verbindung sehr hellsichtig gesehen, als er aus der Emigration in seinen Reden gegen Hitler das deutsche Volk vor der Anziehungskraft der mütterlichen, chtonischen Tiefen warnte, die sowohl ‚Mutter Natur‘ wie auch ‚verschlingende Mutter‘ sind, Gorgo, Sphinx, Hexe. Und sogar in der allgemeinen deutschen Ausrede von der ‚Verstrickung‘ in die man geraten war, ist eine Ahnung davon zu spüren, denn es ist die Fliege, die sich in den Netzen der Spinne verstrickt.

Die französische Psychoanalytikerin Jeanine Chasseguet-Smirgel hat die psychische Dynamik des Nationalsozialismus beschrieben. Sie spricht davon, dass seit Wilhelm Reich und seinem Kampf gegen die autoritäre Struktur, das Patriarchat und die Vaterfigur, in Deutschland dem Gedanken Vorschub geleistet wurde, dass der Vater allen Übeln zugrunde liege. Der Zusammenbruch der patriarchalischen Ordnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Vatermord war in der deutschen Kultur mit besonderer Heftigkeit beschworen worden. Irritiert stellt sie fest, dass man in Deutschland dazu neige, den NS als einen Exzess väterlicher Gewalt zu erklären. Aber gerade der NS habe das Reich der primitiven, verschlingenden Mutter, des Irrationalen und der Mystik eröffnet. Denn jede Phantasie, in der faszinierenden URMUTTER aufzugehen, müsse begleitet sein von „einer Identifikation mit der Imago der schreckenerregenden Mutter, dem Resultat der Spaltung der primitiven Mutterimago.“ Dadurch werde ihre destruktive Macht übernommen, um alles das zu zerstören, was sich zwischen das Subjekt und die idealisierte Mutter schieben könnte, mit der das Subjekt sich zu vereinigen sucht. Diese Hindernisse seien im Wesentlichen der Vater und seine Derivate. Und sie erinnert daran, dass alle apokalyptischen Phantasien von der Vorstellung getragen sind, die Destruktion gehe einer märchenhaften Wiederherstellung voraus und jene sei die Bedingung für diese.

„Die Vereinigung mit der Mutter ist eine Hochzeit, die tausend Jahre dauern soll – dem tausendjährigen Reich jener entsprechend, die in der Apokalypse der Offenbarung des Johannes sich geweigert hatten, das Tier anzubeten. Und alle Hindernisse, die sich dieser Vereinigung entgegenstellen, werden von Kriegern beseitigt, die die Embleme der gefährlichen Mutterimago tragen: schwarze Uniform, Reitpeitsche, Stiefel – lauter phallische Symbole einer Mummenschanz-Männlichkeit, die der anal-sadistischen Regression anheimgefallen ist. Auch die Totenköpfe, die die archaische Schreckliche Mutter symbolisieren, und die rote Fahne mit dem Hakenkreuz sind Zeichen einer verschlingenden phallischen Imago. In ihrem analsadistischen Reich der 1000 Jahre nimmt die staatliche Gewalt die Form des ‚verschlingenden‘ und ‚verdauenden‘ Konzentrationslagers an.“ Jeanine Chasseguet-Smirgel

Eine solche Interpretation der Konzentrationslager als eines gigantischen Verdauungssystems, „das sich über seiner Beute schließt, sie erstickt, zermalmt und auffrisst“ wird von jemanden bestätigt, der bar jeder psychoanalytischen Kenntnis war, aber wusste, worum es ging. Der Kommandant des Lagers Auschwitz, Höß, hat Auschwitz den ‚anus mundi‘ genannt. Im Konzentrationslager kommen die beiden Seiten der Perversion auch räumlich zusammen: Es ist das Bild des SS-Kommandanten, der in seiner Villa neben den Gaskammern und Verbrennungsöfen am Klavier sitzt und Schumanns Träumerei spielt. De Gaulle hat diesen SS-Mann mit dem Ritter der Blauen Blume verglichen, der Bier kotzt.

Im psychoanalytischen Verständnis von Jeanine Chasseguet-Smirgel gehört zu einem „Universum der Perversion“ nicht einfach ein sexuell abweichendes Verhalten, so wie das Wort heute meistens gebraucht wird. Perversion ist für sie eine Triebkonstellation, die alle Bereiche menschlichen Lebens durchdringt, in ihr verkehrt sich alles ins Gegenteil. Thomas Mann, der so vieles gesehen hat, weil vieles als Problem auch ihm nicht unbekannt war, hat gesagt, Hitler habe nicht die schlechtesten Eigenschaften der Deutschen hervorgeholt, sondern die besten in die schlechtesten verkehrt. Gleichsam »gegen den Strich« nimmt die Perversion den umgekehrten Weg des menschlichen Reifeprozesses: nicht die Entwicklung von der Primitivität zur Differenzierung, sondern die Überführung der Differenzierung in das Undifferenzierte, in das primitive (frühkindliche) Magma. Hier wird die phallisch-väterliche Ordnung ersetzt durch die Idealisierung der frühkindlichen sadistischen Analität, die lebensgeschichtlich für jedes Individuum eine frühere und primitivere Stufe ist und in der normalen Entwicklung durch das Akzeptieren des ‚Gesetz des Vaters‘ überwunden wird. Auch wenn die Perversion keine sexuelle Praxis ist, hat sie eine innige Nähe zu prägenitalen Ausdrucksformen. Als eine psychische Disposition hat sie eine Affinität zum Rausch des Ungeschiedenen und liebt den Fall in die Verantwortungslosigkeit.

Die präödipale Mutter verschwindet im Dunkel der frühen Biographie eines jeden und einer jeden von uns. Sie ist kein Teil unserer bewussten Erinnerung und sei sie noch so schemenhaft. Aber sie bleibt als Disposition. Und es führen Spuren dahin. Schon Luis Trenker erfand unmittelbar nach dem Ende des Krieges ein Tagebuch der Eva Braun, in dem er sie als Pompadour des Dritten Reiches schildert, die nackt im Mondlicht tanzt und sich Gesichtspackungen aus frischem Fleisch auflegt. Das Machwerk beruhte auf den alten Tagebüchern einer Gräfin am Hof der Kaiserin Elisabeth und wurde auf Grund des Einspruchs der Familie Braun verboten. Aber es wurde gierig gelesen, weil man nach Erklärungen suchte.

Seit den 60er Jahren ist vor allem in Italien, dem anderen faschistischen Land, und dann auch in Hollywood eine ganze Reihe von sog. Nazi-Exploitation Filmen entstanden, die ihre Schilderungen perverser Sexualität in den Kulissen des Nationalsozialismus ansiedeln. Und in ihnen spielen fast immer Frauen die aktive Rolle.

Der wohl bekannteste dieser Filme ist Ilsa, She Wolf of the SS aus dem Jahr 1975. Er vereint Elemente aus den Exploitationgenres Sexploitationfilm, Frauengefängnisfilm, KZ-Lagerfilm. Hauptperson ist die SS-Schergin Ilsa, die als Kommandantin das Regiment über ein deutsches Konzentrationslager im Jahre 1945 führt. Ilsa ist die Aufseherin des Medical Camp 9, einem medizinischen Lager der Nazis. Gemeinsam mit ihren ‚Schwarzen Witwen‘, den ihr unterstellten SS-Scherginnen Ingrid und Maigret und der lesbischen Unteroffizierin Gretchen, hält sie im Lager eine drakonische Disziplin aufrecht. Bei den kleinsten Verstößen werden Gefangene ausgepeitscht oder den Wachsoldaten als ‚Frischfleisch‘ vorgeworfen. Sie versucht neben den ‚dienstlichen‘ Menschenversuchen durch private Experimente an ausgewählten weiblichen Gefangenen nachzuweisen, dass Frauen physisch belastbarer und vor allem schmerzunempfindlicher sind als Männer und sich daher besser für den Kriegseinsatz eignen. Abgesehen von offenbar homoerotisch-sadistischen Neigungen verkehrt Ilsa regelmäßig sexuell mit männlichen Gefangenen des Arbeitskommandos, die sie nach deren für sie stets enttäuschender Leistung zu kastrieren pflegt.

Man kann mit der Inhaltsangabe fortfahren und es wird immer kruder. Der Film, der mit geringem Budget in 9 Tagen und in 24 Stunden-Schichten gedreht wurde, zeigt seine eigene Falschheit immer wieder bewusst oder unbewusst her. Er ist ein Trash-Film. Das sind billige Produktionen, die aus Zeit- und Geldmangel die Realitätsimitation nicht schaffen, die Filme der Hochkultur bis zur Perfektion beherrschen müssen, weil nur dann die Identifikation gelingt. Deswegen schleicht sich in Trash-Filmen immer wieder, auch aus Dilettantismus, das Skurrile und die Groteske ein. Diese Filme lassen in ihren filmischen Formen nie einen Zweifel daran, dass sie reine Fiktionen sind. Aber ihr Ziel ist auch nicht die historische Rekonstruktion dessen, was schon erforscht ist, sondern das Arrangieren der Zeichen zu Effekten, die auf Unbewusstes einwirken. Und das funktioniert um so wirksamer, je stärker diese Zeichen selbst schon mit Bedeutung aufgeladen sind wie die Zeichen des NS-Universums: Totenkopf, Peitsche, Leder, schwarze Uniformen, Folter, KZ werden zu einem großen Potpourri verrührt, in dem es um Hörigkeit, Inzest, Pädophilie, Mord, Selbstmord, Sadismus, perverse Sexualpraktiken und Menschenexperimente geht, fast immer im Rahmen von Konzentrationslagern.
Man muss Trashfilme lesen als Symptome der unbewussten Gefühlslage einer Epoche. In ihnen können sich die verbotenen Lüste zeigen, die von der filmischen Hochkultur zensiert werden. Sie zeigen nicht eine manifeste Wahrheit, sondern eine unbewusste. Die Nazi-Exploitation-Filme werfen einen Blick auf die Zeit und was sie sehen, entspricht nicht dem, was die Historiker erforschen, sondern was sich mit dem Phantasma verbindet. Diese Trash-Filme tun auf ihre Weise das, was auch Wagner mit den nordischen Mythen getan hat.
Einige Trash-Filme, die ihre Karriere in den Bahnhofskinos begannen, gehören heute, nach einem Abstand von 30 Jahren, zur Filmkunst. Auch an ihnen bewahrheitet sich eine Tendenz der Moderne, dass gesellschaftliche Entwicklungen über die Kunst enttabuisiert werden. Das geht nicht ohne Protest ab. Lucchino Visconti ist für seinen Film über die Krupp-Dynastie im Dritten Reich, Die Verdammten, in dessen Zentrum ein Mutter-Sohn-Inzest steht, auch von seinen Bewunderern heftig abgestraft worden. Auch Der Nachtportier von Liliana Cavani über eine Liebe zwischen einem KZ-Wächter und seinem Opfer hat zur Zeit seiner Entstehung für wütende Kontroversen gesorgt.
Beiden Filmen hat man vorgeworfen, sie verharmlosten das historisch Böse, weil in ihnen die Triebe mit der Macht kurzgeschlossen werden. Das allerdings ist genau das, was das Dritte Reich gemacht hat.
Foucault hat die Verbindung von Perversion und Staatsmacht die ‚Vulkane des Wahnsinns‘ genannt. Dieser Wahnsinn will als moralische Haltung die Perversion, die Ablehnung des ‚Gesetz des Vaters‘. In der staatlichen Ordnung im Dritten Reich drückte sich das aus in der Überführung der geregelten in die ungeregelte Gewalt der SS, die sich mit den Insignien der mächtigen präödipalen Mutter schmückt: Stiefel, Leder, Peitsche, und alles in schwarz. Heute gehören diese Zeichen zur Fetischausstattung schwuler und sadomasochistischer Rituale, sie sind quasi privatisiert worden. Als sie noch politische Insignien waren, sollten die Frauen, angefeuert von Propagandareden über ‚Die deutsche Frau‘ und ihre offizielle Einpassung in die völkische Reproduktion, so viele Kinder wie möglich gebären im Dienst an Volk und (Vater?)land, angeführt von der Ersten Mutter des Reiches, Magda Goebbels.

Aber wem waren die marschierenden Töchter in der öffentlich gelebten Hingabe an den Führer untertan, ‚Vater Staat‘ oder einer mächtigen Mutter aus den grauen Frühzeiten ihres Lebens?

Was diese marschierenden oder winkenden Töchter damals nicht sahen, war: der leere Platz an der Seite des perversen Führers war nicht reserviert für die Ehefrau, die er nicht hatte und auch nicht für die Frauen, die sich dahin träumten, und auch nicht für eine gütige Mutter, sondern für die Imago der präödipalen Mutter, die aus der frühkindlichen Vergangenheit eines jeden von uns in die Zukunft der 1000 Jahre reichen sollte. Diese Mutter repräsentierte in der Verbindung von Macht und Liebe die totale Kontrolle. Die Szene, in der das wie mit einem Blitzlicht erhellt wird, ist die, in der Magda Goebbels ihren sechs weiß gekleideten Kindern das Zyankali gibt, „weil ihnen ein Leben nach dem Dritten Reich nicht zugemutet werden kann“. Diese Mutter wird zum tödlichen Prinzip, weil sie die Macht hat und sich das Recht nimmt, ihre Kinder einem ‚Gott‘ zu opfern.

Dass Hitlers politische Taten und Anordnungen pervers waren, ist unumstritten. In vielen Büchern wird darüber spekuliert, ob er auch sexuell pervers war. Das ist heute nicht zu klären, aber es ist auch nicht wichtig. Die Perversion war nicht seine private, sondern sie wird gelebt in der Bindung zwischen ihm und den Deutschen als einer Bindung der Kinder an die präödipale Mutter. Als perverse Lust wucherte sie unter dem Deckmantel der Pflicht, es ist das Du darfst, von dem Slavoj Zizek spricht. Deutschland war im Unbewussten schon immer mit der ‚Mutter‘ konnotiert gewesen. Deshalb fiel es dem NS so leicht, an dieses Gefühl anzudocken und seine Perversion öffentlich vorzeigbar zu machen. Auch hier war die Vorzeigefamilie Goebbels besonders vorzeigbar. Magda nannte Josef Goebbels ‚Engelchen‘. Eine Besucherin schrieb: „Sie rief Engelchen und um die Ecke gehinkt kam der leibhaftige Teufel.“ Magda selbst hat gegen Ende ihres Lebens gesagt: „Er ist ein Teufel, den ich für meinen Engel gehalten habe.“

Es ist immer wieder aufgefallen, dass die ‚Herrenrasse‘ so weitgehend von Männern personifiziert wurde, die alles andere waren als das, was sie predigten. Göring verlor seine Form vollständig, er wurde immer dicker und kleidete sich in Phantasieuniformen, behängt mit Orden wie ein Karnevalsprinz. Es war eine Form der Travestie. Goebbels hatte einen übergroßen Kopf auf einem schmächtigen Körper und einen Klumpfuß. Das Gesicht des Schreibtischschlächters Himmler war weich und ungeformt. Hitler selbst wurde in seinen Reden immer wieder zum brüllenden Phallus. Zur Herren-rasse werden, hieß für diese Männer auch: zu Männern werden, die wir (noch) nicht sind. Das wurde gekleidet in den Begriff der Reinheit. Hitler sagte, blutsmäßig sei das deutsche Volk noch ein unangenehmes Gemisch, es müsse erst durch Zucht ‚rein‘ werden. Die SS war gehalten, ‚mit Heroismus den Juden in uns selbst‘ zu bekämpfen. Die Perversion zeigt sich hier im Bemühen der ‚Selbstschöpfung’. Dinge, die früher einem Schöpfer überlassen waren, muss man jetzt selbst tun, sich selbst ‚zeugen‘ und sich selbst ‚erlösen‘. Von der Pflicht zur ‚Selbsterlösung‘ hat Goebbels gesprochen.

Die Symbolisierungen der Perversion stammen nicht nur aus dem Zeichenarsenal der präödipalen Mutter, sondern auch aus dem Fundus der Religion und durchlaufen die Verkehrungen, die die Perversion ausmachen. Wir wissen, dass Hitler die Kirchen hasste und plante, nach dem Ende des Krieges und mit der Etablierung des 1000jährigen Reiches auch den NS als eigene Religion zu schaffen. Bis es so weit war, haben er und Goebbels in ihren Reden einen Liturgietransfer aus der christlichen Religion in die NS-Repräsentation vorgenommen. Goebbels Reden waren mit religiösem Vokabular aufgeladen. In seiner Jugend war er ein ‚Gottsucher‘. Hitler hat in der Kampfzeit seine Reden mit Anleihen aus dem Vaterunser dynamisiert und mit dem Wort ‚Amen‘ beschlossen. Viele seiner Reden waren wie ein fanatisches Gebet. Er wurde tituliert als ‚der deutsche Christus‘, natürlich war das mit der Mühe verbunden, zu beweisen, dass Jesus kein Jude gewesen war. ‚Der Führer‘ war nicht Staatsmann oder Politiker, sondern ein Erlöser. Er hatte für alles ‚Endlösungen‘ im Sinn, nicht nur für die Judenfrage. Dass er hier so bedingungslos grausam war, liegt vielleicht auch daran, dass die Juden das exemplarische Volk der Vaterreligion sind.

Die Ordnung, die diese deutsche Revolution meinte, war nicht eine politische als zeitliche, sondern eine religiöse als ewige. Es ging um die Apokalypse als Wiederherstellung des letzten, endgültigen Reichs.

Diese politische Apokalypse lieh sich ihr Vokabular von der Bibel und traf damit auf vertraute Vorstellungen im Volk. Auf dieser Grundlage mobilisierte Hitler politische Zustimmung als religiöse Gläubigkeit.

Die Transzendenz dieser Politik war eine Religion der Perversion, in der religiöse Messen zu politischen Totenkultinszenierungen wurden. In ihnen kündigt sich der Führer als perverser Messias an, der nicht das Leben bringt, sondern den Tod. Dieser Messias ist nicht von Gott gesandt, sondern von ‚der Vorsehung‘.

Dieser Begriff ist so vollkommen leer und absolut und umfassend wie der der Destruktion. Sein Wesen ist die reine, durch keinerlei politische Überlegung gerechtfertigte Gewalt.

Im gemeinsamen Kult der politischen Feiern wird die apokalyptische Hochzeit mit der idealen Mutter gefeiert: Mutter Erde, Mutter Deutschland. Der Ort der Vereinigung ist das Grab. Das Grab ist der mütterliche Schoss. So hieß es in den nationalsozialistischen Begräbniszeremonien: „Den Toten nimmt die Erde auf in ihren mütterlichen Schoss.“ Endlich ist der Sohn wieder da, wo Ende und Anfang zusammenfallen. Die Qual ist beendet.

Ein anderer hellsichtiger Franzose, Denis de Rougemont, hat die große Wahlveranstaltung im Sportpalast nach dem Reichstagsbrand, als es noch darum ging, die Mehrheit in Wahlen hinter sich zu bringen, beschrieben. Sie ist auch in einer langen eindrucksvollen Filmsequenz erhalten.

„Da geht ein Murmeln durch die wogende Menschenmenge. Trompeten sind von draußen zu hören. Die Bogenlampen unten in der Halle verlöschen…ein aufleuchtender Scheinwerfer lässt einen kleinen, braungekleideten Mann auf der Schwelle erscheinen, mit bloßem Haupt und ekstatischem Lächeln. 40.000 Menschen, 40.000 Arme haben sich in einer einzigen Bewegung erhoben. Der Mann schreitet sehr langsam vorwärts, grüßt unter dem betäubenden Donnern rhythmischer Heilsrufe mit langsamer, bischöflicher Geste…ich hatte gedacht, an einer Massenveranstaltung teilzunehmen, an einer politischen Kundgebung. Aber sie zelebrieren ihren Kult. Und dabei wird eine Liturgie abgehalten, die große, sakrale Zeremonie einer Religion….ich habe Hitler anderthalb Stunden gehört und habe ihn beim Verlassen seines Kults gesehen…eine einzige Kette von SS-Männern trennte ihn von der Menge. Ich stand in der ersten Reihe, zwei Meter von ihm entfernt. Ein guter Schütze hätte ihn leicht abknallen können. Aber in hundert ähnlichen Situationen hat sich dieser Schütze nie gefunden. Das ist das Wichtigste, das ich über Hitler weiß…man schießt nicht auf einen Mann, der nichts und alles ist…man schießt auf einen Tyrannen oder auf einen König, aber Religionsstiftern sind andere Katastrophen vorbehalten.“ Denis de Rougemont

Hitler hatte immer gesagt, er sei die Kristallisation der Wünsche der Deutschen. Er und die Deutschen waren ein Paar, nicht aus Mann und Frau, sondern aus Sohn/Tochter und der präödipalen Mutter.

In der christlichen Zentralfigur der Unio mystica zwischen Christus und seiner Kirche entfaltet der Führerkult seine Wucht in Formen der kollektiven Freisetzung des perversen Unbewussten einer Nation.

Copyright: Jutta Brückner 2013
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